25/10/2002 Eintrag: "Eberty"

Heute las ich die Jugenderinnerungen eines alten Berliners von Felix Eberty, dessen Vater Hermann Eberty Mitglied der Gesellschaft der Freunde war, zuende. Eberty junior, dessen Memoiren sich ansonsten sehr kurzweilig und interessant lesen, schaffte es doch tatsächlich, sein Leben bis zum Ende der Referendariatszeit Revue passieren zu lassen, ohne auch nur ein einziges Mal seine jüdischer Abstammung und Prägung in Kindheit und Jugend direkt oder indirekt zu erwähnen. Sein Vater, der genannte Hermann Eberty, war ein Schwager Jacob Meyerbeers, und die Beers tauchen einige Male im Buch auf. Aber auch bei ihnen gibt es nicht die leiseste Andeutung ihrer Zugehörigkeit zum Judentum. Lediglich bei der Charakterisierung des Juristen Eduard Gans, dessen Vorlesungen Felix Eberty während seines Studiums belegte, wird dessen Übertritt zum Christentum kurz gestreift, aber in einer Art, die ein vollkommenes Unbeteiligtsein des Autors suggeriert.
Ich würde keinen Menschen wegen seines Glaubenswechsels kritisieren oder gar verurteilen - solch ein Schritt steht jedermann frei, religiöse Zugehörigkeit ist Privatsache, die man mit sich selbst ausmachen muß. Aber bei einem solchen Leugnen der eigenen Vergangenheit wird mir doch unbehaglich zumute.

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