30/12/2002 Eintrag: "Grundbucharchiv"

Der Weg vom Bh. Westhafen bis zum Grundbucharchiv ist länger, als ich erwartet hätte, denn vom Getreidespeicher, in dem die Zeitschriftenabteilung der Staatsbibliothek untergebracht ist, läuft man noch einige hundert Meter, bis man vor dem großen Gebäude des Zollspeichers steht, in der südwestlichsten Ecke des Westhafengeländes.
Das Haus verrät weder auf den ersten, noch auf den zweiten Blick, wo hier ein Grundbucharchiv zu finden sein soll. Also untersuche ich die Türen von links nach rechts und werde an der Innenseite des rechten Flügels fündig. Nur ein provisorisches Schild verweist auf das Archiv. Daß das der Aufgang 4 ist, erfahre ich erst durch die alte Schrift im Treppenhaus.
Wenn man das Haus durch diese Tür betritt, fühlt man sich zunächst wie auf einer Baustelle. Es gibt kein Licht, was an einem dunklen und verregneten Montagmorgen im Spätdezember wie dem heutigen besonders verärgert. Dafür starren Kabel und offene Buchsen aus den Wänden des engen Treppenhauses. Ich widerstehe der Versuchung, zu prüfen, ob sie bereits Strom führen. In der Luft hängt der Geruch von frisch verarbeitetem Beton. So klettere ich die Treppe hinaus, das Geländer berühre ich im Dunkeln lieber nicht. Auf den Zwischenabsätzen stehen die Türen zu ehemaligen Toiletten offen, die jetzt vollkommen leer stehen. In diesen kleinen Räumen mischt sich der frische Beton- mit dem alten Abortgeruch.
Im 3. Stock endlich finde ich das Archiv, und als ich dort durch die Tür trete, fühle ich mich gleich viel heimischer. Die Mitarbeiterinnen haben sich bereits häuslich eingerichtet. Alles ist viel, viel kleiner als in Marienfelde, fast könnte man meinen, man befände sich in einer umgebauten Wohnung. Die beiden Arbeitsplätze für die Nutzer - glücklicherweise sind es doch zwei geworden - wurden in einem Durchgangsbüro untergebracht, so daß man den Arbeitsalltag dieser Mini-Behörde gut beobachten kann. Forscher mit Konzentrationsproblemen sollten dieses Archiv allerdings besser meiden.
Die "Archivarinnen" behandeln mich mit der gleichen herb-herzlichen Berliner Freundlichkeit wie immer, zudem herrscht eine festtägliche Aufgeräumtheit, so daß ich hier einen frohgelaunten Vormittag verbringe, bevor ich weiterziehe, in die Zeitschriftenabteilung.

Kommentare

Gern geschehen :)

Sebastian Panwitz || 12/31/2002 01:49 PM CET

Vielen Dank für die SEHR anschauliche Weg- und Zustandsbeschreibung!

Benedikt || 12/30/2002 11:42 PM CET

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