(Vorheriger Eintrag: "Wochenbeginn") (Home) (Nächster Eintrag: "AG Juden im Wandel")
Heute bearbeitete ich unter anderem den Hülfsverein für Märkisch-Friedland und stellte erst bei dieser Gelegenheit fest, welch interessante Rolle dieses Friedland für die märkischen Juden spielte. Es kam im 14. Jahrhundert an Polen, blieb aber weiterhin unter der Regierung der lokalen deutschen Adligen und war einer der Anlaufpunkte der im 16. Jahrhundert aus der Mark vertriebenen Juden. Zeitweise stellten die Juden 50 % der Friedländer Einwohnerschaft. 1772, mit der ersten polnischen Teilung, kam Friedland wieder an Brandenburg, später an die Provinz Westpreußen. Friedrich II. vertrieb einen großen Teil der Friedländer Juden nach Rest-Polen, was den Niedergang der Stadt einleitete. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam es dann zu einer sich verstärkenden Auswanderung nach Berlin. Unter anderem kam von hier auch die Familie Liebermann in die preußische Hauptstadt.
Interessanterweise scheint es so gut wie keine neuere Forschungsliteratur zu geben, obwohl Märkisch-Friedland, das über Jahrhunderte im Grenzraum von Polen, Brandenburg und Pommern lag, sowohl für die deutsch-jüdische, als auch für die deutsch-polnische Geschichte von großem Interesse sein müßte. Nur einen Artikel fand ich in einem Sammelband. Der ist aber einfach katastrophal - ohne Einführung in den Forschungsstand, ohne Fragestellung, ohne Einbettung in den historischen Kontext. Schade.
Kennt vielleicht einer meiner Leser Literatur zu Märkisch-Friedland ?
Kommentare
Liebe Rahel ! Schreibst Du mir Deine Emailadresse, damit ich Dir antworten kann ? Sebastian
Sebastian || 04/17/2003 06:57 AM CET
Lieber Sebastian, ich beschäftige mich mit der Familie Marckwald, die offenbar auch aus M.F. stammen! Zwei Töchter heirateten Liebernann Söhne, eine Victor Ring. Hast Du Spuren dieser Familie in M.F. gefunden? Ich bin gespannt. Rahel
Rahel || 04/16/2003 10:07 PM CET
Ich wollte mich über diesen Aufsatz, den einzigen, den ich zu Märkisch-Friedland finden konnte, eigentlich zurückhalten. Aber da Du ausdrücklich darauf hinweist: Er ist einfach schlecht. Keine Fragestellung, keine Einführung in den Forschungsstand, keine klare Einordnung in übergeordnete Prozesse, eine Quellenauswahl, die nach für den Leser nicht nachvollziehbaren Kriterien erfolgte usw. Einfach ärgerlich.
Sebastian || 03/11/2003 02:43 PM CET
Lieber Sebastian,
das Buch "Zur Geschichte und Kultur der Juden in Ost- und Westpreußen. Hg. Michael Brocke, Margret Heitmann und Harald Lordick, Hildesheim u.a. 2000 enthält einen Aufsatz über die "Juden in /(Märkisch) Friedland - Aspekte ihres Gemeindelebens in Polen und Preußen" (S. 125-16) Da dürfte etwas über die Dich interessierenden Fagen dabei sein. Auch die anderen Aufsätze sind teilweise sehr lesenswert - u.a. über die Jüdischen Gemeinden von Johannisburg, Ortelsburg, Königsberg, Danzig, Zoppot, Gdingen.
Ines || 03/11/2003 02:39 PM CET
counted by and