15/10/2003 Eintrag: "Mittwoch"

Den heutigen Vormittag verbrachte ich im Zentralen Grundbucharchiv. Gemeinsam mit Benedikt Goebel plane ich ein Projekt, dessen Umsetzung möglicherweise nach der Abgabe meiner Dissertation beginnen kann: Ein Berliner Häuserbuch. Benedikt hat dafür mit seiner Dissertation schon eine ausgezeichnete Grundlage bereitet, auf der aufbauend ein solches Projekt sehr realistisch und inhaltlich vielversprechend ist. Der heutige Vormittag diente dazu, abschätzen zu können, wieviel Zeit wir für das Durcharbeiten der in jenem Archiv liegenden Akten veranschlagen müssen.
Am Nachmittag nahm ich an einer Diskussionsveranstaltung der Deutschen Nationalstiftung zum Thema Berlin - was ist uns die Hauptstadt wert? teil. Die Stiftung hatte am Vormittag der Presse eine Studie gleichen Titels vorgestellt. Bei der Veranstaltung am Nachmittag nun hielten Thilo Sarazin (Finanzsenator Berlin), Wolfgang Schäuble (CDU-Präsidiumsmitglied), Avi Primor (Ex-Botschafter Israels, u. a. in Deutschland) und Dieter Grimm (Rektor des Wissenschaftskollegs Berlin) kurze Vorträge, bevor es dann noch zu einer Art Diskussion kam.
Abgesehen davon, daß ich selten genug in solchen Kreisen verkehre und es für mich (noch ?) außergewöhnlich ist, Leute wie Helmut Schmidt und Richard von Weizsäcker nur wenige Schritt vor mir zu sehen, würde ich das Ergebnis als durchwachsen bezeichnen. Von einer Deutschen Nationalstiftung hätte ich eine inhaltlich exzellent vorbereitete Diskussionsrunde erwartet. In der Praxis erzählten Schäuble und Primor, amüsante, nette Episödchen und Anekdoten, konnten aber keineswegs strukturierte, zielgerichtete Ausführungen zum Thema des Treffens liefern. Sarrazin ließ Zahlen regnen, was grundsätzlich nicht schlecht war, da es der Diskussion etwas Bodenhaftung verlieh. Allerdings fehlte dem Finanzsenator einfach der Abstand zu den tagespolitischen Auseinandersetzungen, der im Kreise einer Nationalstiftung gut tun würde. Stattdessen ging er nach einigen deutlichen allgemeinen Darlegungen zu sehr ins Detail und verweilte schließlich so lange bei den Kita-Gebühren, bis ihm der Moderator sachte zu verstehen gab, daß die anderen auch noch sprechen würden. Wirklich produktiv und hochkarätig sprach nur Grimm.
Nach diesem Rundumschlag ist dennoch zu resümieren, daß es zwar inhaltlich nicht viel Neues und natürlich keine Antwort auf die Titelfrage gab, daß der Nachmittag für mich aber trotzdem spannend und anregend war und ich meine Entscheidung, daran teilzunehmen, zu keiner Minute bereute.

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