27/12/2003 Eintrag: "Walter Benjamin"

Aus der Forschungstagebuch-Reihe Berlin-Kritiken:
Walter Benjamin: Berliner Kindheit um 1900 (1938)

Memoiren und Autobiographien gehören zu meiner Lieblingslektüre, und so war ich sehr gespannt, als ich dieses Büchlein in die Hand nahm, zumal Benjamin im Milieu des akkulturierten Berliner Judentums aufwuchs, zu einer Zeit, um die ich mich gerade in meiner Dissertation kümmere. Leider wurde ich sehr enttäuscht.
Die Berliner Kindheit mag verträglich sein, wenn man sich für die Person, die psychische Beschaffenheit Benjamins interessiert; sie ist auf jeden Fall eine Fundgrube für Psychoanalytiker. Der Historiker mag ihr in Einzelfällen Kurzzitate entnehmen und sie zum Imponieren in die eigene Arbeit einbauen. Schließlich werden unter Umständen auch Liebhaber poetisierender Prosa auf ihre Kosten kommen. Aber für Berlinhistoriker ist dieses Buch vollkommen unbrauchbar. Sein faktischer Gehalt ist gleich Null. Schade.
(Und bezeichnend, daß sich Kultur- und Literaturwissenschaftler von allen Berlin-Memoiren gerade für die Benjaminschen begeistern.)

Kommentare

Vergangheit und Gegenwart in berliner kindheit

elli avgeri || 05/24/2005 07:59 PM CET

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