Archiv für January 2003

Friday, January 31, 2003

Angesichts der Tatsache, daß ich heute nicht nur - wie gestern - auf schneebedeckten Straßen, sondern sogar im dichtesten Schneegestöber Fahrrad fuhr, erkläre ich mich hiermit für die Dauer dieses Winters zum Ehren-Münsteraner !
Abgesehen davon lese ich gerade die Biographie des Vorstandsmitglied der Gesellschaft, Heimann Joseph Ephraim. Sie ist nicht allzu gut geschrieben, birgt aber doch ein paar neue Informationen. Auf jeden Fall verdeutlicht sie noch einmal: Die Ephraims sind, noch vor den Itzigs und weit vor den Mendelssohns, die verwickeltste und verzwickteste Familie, die Berlins Judenschaft aufweisen kann. Andauernd tragen die Leute Drei- und Vierfachnamen, die sich nur in der Reihenfolge unterscheiden: Ephraim Veitel Ephraim oder Heimann Ephraim Veitel oder Veitel Heine Ephraim oder Heimann Joseph Ephraim (siehe oben) oder Joseph Veitel Ephraim usw. Ein Glück, daß die Ephraims, die eng mit den Beers verwandt waren, in der Gesellschaft keine übergroße Rolle spielen.

Posted by Sebastian @ 03:34 PM CET

Thursday, January 30, 2003

Nach Stunden intensiver Arbeit liegt jetzt das Ergebnis vor.
Phase 1, 1792-1820 (19 Jahre): 83 Vorstandsmitglieder.
Phase 2, 1820-1880 (61 Jahre): 89 Vorstandsmitglieder.
Phase 3, 1880-1935 (56 Jahre): 56 Vorstandsmitglieder.
Wenn man die Doppelungen, die durch die Übergangsjahre 1820 und 1880 entstehen, in Rechnung stellt, ergibt sich eine Gesamtzahl von gut 200 Führungspersonen der Gesellschaft während ihres gesamten Bestehens.
Man sieht, daß die Wirkungsdauer der Mitglieder des Vorstands zu-, die Fluktuation dagegen abnimmt. Das hat zum einen mit den Satzungsbestimmungen zu tun, die in den ersten Jahren eine Wiederwahl erschwerte. Zum anderen spiegelt sich in den geringen Wechseln der letzten Jahrzehnte das geringer werdende soziale Leben innerhalb des Vereins wider.

Meine weitere Arbeit wird sich auf eine Erschließung der 89 Vorstandsmitglieder der Phase 2 konzentrieren, wofür ich vor allem auf die Bestände des Landesarchivs und des GStA zurückgreifen möchte.

Posted by Sebastian @ 12:44 PM CET

Wednesday, January 29, 2003

Heute stand unter anderem die Arbeit an der Mitgliederdatenbank auf dem Programm. Ich habe damit begonnen, alle Vorstandsmitglieder zu kennenzeichnen und den drei Phasen der Gesellschaft zuzuordnen. Mit den Phasen zwei und drei bin ich schon fertig. Phase eins ist zwar am kürzesten, dafür sind die Wechsel im Vorstand hier am häufigsten. Aber morgen wird auch das vollbracht sein, und dann gibt es hier eine Kurzzusammenfassung.

Posted by Sebastian @ 10:09 PM CET

Tuesday, January 28, 2003

Nun habe ich heute morgen meinen Emailberg abgearbeitet (zwischen 6 und 7 Uhr !), und jetzt, nach der Rückkehr aus dem Landesarchiv, wartet schon wieder ein gutes Dutzend frischer, ungelesener Emails auf mich. Wohin soll das führen ?! Die Sache erinnert mich ein wenig an Herakles' Hydra. Aber ich will nicht weiter klagen - es sind ausgesprochen angenehme und interessante Nachrichten darunter.
Im Archiv machte ich heute zwei erfreuliche Funde für Freunde. Für meine Dissertation gab es auch ein paar kleine Fortschritte, aber nichts Großartiges. An sich ist das auch nicht verwunderlich, weil die Erfassung von Informationen zur Führungsschicht der Gesellschaft sehr viel Geduld und Kleinarbeit erfordern wird. Zunächst, merkte ich, muß ich noch ein paar strukturelle Vorarbeiten an der Mitgliederdatenbank leisten. Anfang nächster Woche geht's dann im Archiv weiter.
Auf jeden Fall ist mein Arbeitseifer zurückgekehrt, und wenn ich aufpasse, daß mir nicht zu viele andere Dinge in die Quere kommen, könnte ich in den nächsten Wochen ausgesprochen produktiv werden.

Posted by Sebastian @ 06:01 PM CET

Gestern ging ich zum ersten Mal seit längerem wieder in die Senatsbibliothek, um mir die Erinnerungen von Georg Haberland (Mitglied der Gesellschaft der Freunde) auszuleihen. Es hat sich in den letzten zwei Jahren dort einiges geändert. So wurde das gesamte System, einschließlich Vorbestellung und Ausleihe, EDVisiert. Zudem gibt es jetzt für alle, die nicht in der Berliner Verwaltung arbeiten, eine Bibliotheksgebühr. Man kann zwischen einer Monats- und einer Jahresleserkarte wählen. Letztere kostet 5 Euro für Studenten und 10 Euro für alle anderen Normalsterblichen.

Posted by Sebastian @ 06:20 AM CET

Saturday, January 25, 2003

Am Donnerstagnachmittag fuhren unsere Gäste zurück nach Moskau. Jetzt habe ich erst einmal den Emailberg verkleinert: 12 Emails schrieb ich in den letzten beiden Tagen. Hinzu kam noch etwas Arbeit an der Mitgliederdatenbank. Am Montag geht's voraussichtlich in die Bibliothek der jüdischen Gemeinde, am Dienstag dann ins Landesarchiv.

Posted by Sebastian @ 08:53 PM CET

Wednesday, January 22, 2003

Heute bekam ich eine Email von H-Soz-Kult: Meine Rezension wird am 5. Februar publiziert. Hurra !

Posted by Sebastian @ 09:11 PM CET

Bekanntermaßen kann man bei Denic sämtliche Inhaber der .de-Domains abrufen. Heute stieß ich auf die Serviceseite, die die gleichen Informationen zu den Topleveldomains (.com, .net, .info usw.) bereitstellt. Sie heißt True Who is und zeigt alles, bis hin zur Adresse des Besitzers. Nicht immer, aber doch häufig.

Posted by Sebastian @ 10:08 AM CET

Monday, January 20, 2003

Soeben habe ich die überarbeitete Version meiner Rezension fertiggestellt und abgeschickt. Ich bin etwas skeptisch, ob der Text durch die Ergänzungen so viel besser geworden ist und ob die zuständige Referentin jetzt einverstanden damit ist. Nun, ich werde weiter berichten.

Posted by Sebastian @ 10:19 AM CET

Sunday, January 19, 2003

Besuch aus Rußland bringt meinen alltäglichen Tagesablauf ziemlich durcheinander, so daß ich nur gelegentlich dazu komme, Neues in mein Forschungstagebuch zu schreiben. An sich hätte ich stattdessen ein Rußland-Tagebuch führen können, aber es fehlt mir einfach die Zeit. Immerhin konnte ich die Mendelssohn-Homepage um einen Zeitungsartikel zu Nathan Mendelssohn erweitern.
Zudem möchte ich meiner verehrten Leserschaft folgende Email nicht vorenthalten, die mich heute erreichte:
Wollen sie legal einen Doktortitel fuehren, der Ihnen zu mehr Ansehen verhilft?
Kein Abitur, Hochschulabschluss und Dissertation erforderlich. Sie sind erfolgreich im Beruf, haben nicht die Zeit, ein langwieriges Studium abzuschließen, um danach auch noch jahrelang eine Dissertation zu schreiben? Das heisst noch lange nicht, dass Sie deshalb auf das "i-Tuepfelchen" Ihrer Karriere verzichten muessen. Machen Sie es wie die Politiker und andere Prominente.
Lassen Sie sich Ihren Doktor doch einfach ehrenhalber gegen eine kleine Spende verleihen. Zahlreiche anerkannte Institutionen sind weltweit auf Hilfe angewiesen und honorieren diese, indem sie ihre Foerderer zum Ehrendoktor ernennen.
Wir vermitteln monatlich bis zu 10 dieser Ehrentitel (honoris causa). Diskret, schnell und zuverlaessig. Schon fuer 3600,-- EUR (inkl. Spende sowie saemtlicher Verwaltungsgebuehren) kann sich Ihr offizieller und privater Auftritt nachhaltig zum Positiven veraendern. Bereits in wenigen Wochen werden Sie die ersehnten Visitenkarten mit Ihrem offiziellen Doktortitel drucken koennen, die Ihr Prestige und Ansehen im oeffentlichen Leben und im Beruf aufwerten.
Auch Professorentitel moeglich!
Fuer weitere Informationen klicken Sie bitte hier. Die Informationen erhalten Sie diskret per Post:
http://www.aadi1.net/doktor/doktor.html

Das war alles - keine Anrede, kein identifizierbarer Absender (angela2502@detik.com). Hat sonst noch jemand eine solche Email bekommen ?

Posted by Sebastian @ 07:18 PM CET

Wednesday, January 15, 2003

Heute bekam ich eine Emailanfrage aus Rio de Janeiro. Eine Frau jüdischer Abstammung fragt mich nach dem Brüderverein, von dem ihr ihre Mutter erzählt habe, daß er im gesellschaftlichen Leben der jüdischen Gemeinde Berlins eine wichtige Rolle gespielt habe. Ob ihr Vater womöglich Mitglied war ? Durch meine Forschungen habe ich schon Kontakte in Israel, Rußland und den USA gefunden. Brasilien ist mir noch neu, so daß ich besonders neugierig bin, wie sich dieser Emailwechsel entwickeln wird.

Posted by Sebastian @ 07:54 AM CET

Sunday, January 12, 2003

Benno Jaffé, 1848-1923, Chemiefabrikant, Charlottenburger Stadtrat und Ehrenbürger, nach dem die Jafféstraße am Berliner Messegelände benannt wurde, war seit 1872 Mitglied der Gesellschaft der Freunde.

Posted by Sebastian @ 03:05 PM CET

Friday, January 10, 2003

Es braucht immer noch ein Weilchen, bis meine Rezension publiziert wird. Ich bekam sie von der zuständigen Redakteurin mit einigen Anmerkungen zurück, um die ich mich in den nächsten Tagen kümmern werde.

Posted by Sebastian @ 08:26 PM CET

Thursday, January 9, 2003

Der nächste Fund im Mitgliederverzeichnis: Max Grünfeld, Architekt, Regierungsbaumeister. Er baute unter anderem das Geschäftshaus Unter den Linden 12 (heutige Numerierung) und das Logenhaus in der Emser Straße, Wilmersdorf. Weiß jemand Näheres über diesen Menschen ?

Posted by Sebastian @ 06:04 PM CET

Herzlich willkommen meinem polnischen Leser, der binnen weniger Tage Polen nach Deutschland, den USA und Israel an die vierte Stelle unter den Leserländern meines Forschungstagebuchs geschoben hat !

Posted by Sebastian @ 04:34 PM CET

Wednesday, January 8, 2003

Mein Vortrag heute lief ausgezeichnet, was nicht zuletzt daran lag, daß ich ein dankbares Zweimannpublikum hatte. Die Feiertage werfen ihre Schatten offensichtlich auch noch in den Januar. Aber mir war die kleine Runde sehr angenehm.
Nach meiner Rückkehr aus Potsdam erfuhr ich zudem, warum meine Rezension bis heute noch nicht über H-Soz-Kult publiziert wurde. Es gab Mitte Dezember an der HU einen Serverausfall, so daß mein Text die zuständige Redakteurin nie erreichte. Ich sandte ihn natürlich gleich noch einmal ab und hoffe sehr auf eine Veröffentlichung in den nächsten Tagen.

Posted by Sebastian @ 09:08 PM CET

Ich bereite weiterhin meinen Vortrag für das Haskala-Colloquium am heutigen Nachmittag vor und stieß dabei auf den nächsten Musikerbezug. Lange Zeit war Bote und Bock die beste Musikalienhandlung in Westberlin, bis sie vor wenigen Jahren geschlossen wurde. Gegründet wurde sie im 19. Jahrhundert von Gustav Moritz Bock und Eduard Bote, und der Vater des ersteren, Moses Hirsch Bock, ein aus der (späteren) Provinz Posen stammender Pädagoge, der in Berlin eine eigene Schule unterhielt, war Mitglied der Gesellschaft der Freunde.

Posted by Sebastian @ 11:44 AM CET

Monday, January 6, 2003

Heute habe ich damit begonnen, meinen Vortrag für Mittwoch vorzubereiten, und die Gelegenheit genutzt, den Teil I noch ein wenig zu überarbeiten. Viel Kleinkram, aber ich habe dennoch das Gefühl, wieder ein Stückchen mit meiner Dissertation vorangekommen zu sein.

Posted by Sebastian @ 09:07 PM CET

Sunday, January 5, 2003

Bei der Erweiterung der Mitglieder-Datenbank machte ich zwei interessante Funde. Vor ein paar Monaten berichtete ich, daß Arthur Hobrecht (Berliner Oberbürgermeister, Preußischer Finanzminister), der der Gesellschaft 1878 beitrat, wohl das erste Mitglied ohne jüdischen Hintergrund war. Nun bin ich auf eine zweite Person mit diesem Charakteristikum gestoßen: Ludwig Delbrück, Mitinhaber des Bankhauses Delbrück, Leo & Co., der dieses 1910 mit der Bank Gebr. Schickler & Co. verschmolz, zudem einer der ersten Vizepräsidenten der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft und Mitglied des Preußischen Herrenhauses, wurde ebenfalls schon im 19. Jahrhundert, und zwar 1891 Mitglied der Gesellschaft der Freunde.
Etwas anderer Art ist die zweite Entdeckung. Die Ostdeutschen unter meinen Lesern dürften Paul Dessau kennen - Die Verurteilung des Lukullus hat jeder im Musikunterricht durchgenommen. Dieser Paul hatte einen Onkel, Bernhard Dessau, Violinist, Komponist, Konzertmeister (also Erster Geiger) an der Königlichen Staatsoper und seit 1902 Mitglied der Gesellschaft der Freunde. Das ist vor allem deshalb ausgesprochen bemerkenswert, weil es nach 1900 fast überhaupt keine Mitglieder in diesem Verein gab, die nicht in irgend einem Wirtschaftsunternehmen leitend tätig waren oder gewesen waren.
Zu Bernhard Dessau gibt es Nachlaßteile im Archiv der Berliner Akademie der Künste. Weiß sonst noch jemand etwas über diesen Musiker ?

Posted by Sebastian @ 01:14 PM CET

Offensichtlich konnte bisher kaum einer meiner Leser die Titel der wechselnden Johannisthal-Bilder oben rechts auf der Seite lesen. Diese Titel sollten angezeigt werden, wenn man den Mauszeiger auf das Bild hält. Ich habe jetzt etwas abgeändert, so daß die Schrift nun hoffentlich erscheint, und würde mich über eine kurze Rückmeldung per Kommentar (Schweigen-Flüstern-Plaudern rechts unter jedem Eintrag) freuen.

Posted by Sebastian @ 12:38 PM CET

Saturday, January 4, 2003

Im Landesarchiv gab es am Freitag nichts zu holen. F Rep. 120 enthielt keine für mich brauchbaren Informationen, auch der Bestand Feuersozietät scheint für mich ohne Belang zu sein.
Aus dem Brandenburgischen Landeshauptarchiv gibt es die Neujahrsbotschaft, daß der Hauptsitz des Archivs im Februar geschlossen wird, die Akten anschließend monatelang nach Bornim umziehen und erst im Sommer wieder zugänglich sein werden. Glücklich sind die, die diese Akten jetzt nicht für eine Magisterarbeit benötigen. Übrigens gehört Bornim nominell zwar zu Potsdam, ist verkehrsmäßig aber katastrophal angeschlossen, falls man nicht mit dem Auto anreist.

Posted by Sebastian @ 08:39 PM CET

Mein gestriges Schweigen war dem Umstand geschuldet, daß meine alte Festplatte, die schon im letzten November eine Neuformatierung notwendig gemacht hatte, nun endgültig ausgewechselt werden mußte. Somit kam ich erneut in den Genuß zu registrieren, wieviel Programme und Treiber ich regelmäßig nutze und nun entsprechend zu reinstallieren hatte. Inzwischen ist mein Rechner schon wieder fast vollständig einsatzfähig, so daß ich hoffe, den gestrigen Tagebucheintrag bald nachholen zu können.

Posted by Sebastian @ 02:59 PM CET

Thursday, January 2, 2003

Einen guten Teil des heutigen Tages verbrachte ich mit der Arbeit an meiner Mitgliederdatenbank. Inzwischen bin ich beim Mitgliederverzeichnis von 1912 angekommen, das stückweise eingearbeitet wird. Gegenwärtige Zahl der erfaßten Mitglieder: 2200 !
Morgen geht's seit langem wieder einmal ins Landesarchiv. Ich habe mir ein paar Filme der Judenregister von 1812 bestellt und hoffe, dort neue Informationen über die Gründungsgeneration der Gesellschaft finden zu können. Außerdem will ich nach dem Bestand Landesfinanzamt fragen, weil der Präsident dieses Landesfinanzamtes zeitweise Vertreter der ATO war. Bisher war die dafür zuständige Sachbearbeiterin im Urlaub oder krank oder in einer Besprechung. Ob ich morgen mehr Glück haben werde ?

Posted by Sebastian @ 09:26 PM CET

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