Archiv für February 2004

Saturday, February 28, 2004

Soeben habe ich meine zweite Rezension dieses Jahres an H-Soz-Kult abgesandt. Diesmal handelt es sich um die Besprechung des Quellenverzeichnisses Quellen zur Geschichte der Juden in polnischen Archiven, Bd. 1. Damit hat sich meine Rezensionszahl gegenüber letztem Jahr glatt verdoppelt ! Mal sehen, ob die zuständige Redakteurin zufrieden ist.

Posted by Sebastian @ 10:44 AM CET

Friday, February 27, 2004

Anfang 1933 gehörten der Gesellschaft der Freunde 17 aktive oder ehemalige Vorstandsmitglieder der Deutschen Bank und Disconto-Gesellschaft an. Von ihnen starben 2 im folgenden Jahr. 9 traten 1933/34 aus dem Verein aus - sie allesamt waren nach NS-Definition "Arier" und führten ihre Karrieren auch in den folgenden Jahren weiter. 6 verblieben im Verein bis zu dessen Verbot 1935. Unter diesen waren allerdings bemerkenswerterweise auch 3 "Arier"!

Posted by Sebastian @ 06:43 PM CET

Thursday, February 26, 2004

Die Berliner Zeitung vom Dienstag enthielt eine Seite zu Recht und Juristen und meldete dort folgendes:

In einem Strafprozess, in dem Aussage gegen Aussage steht, kann man von Glück sagen, wenn der belastende Zeuge aus der Pfalz stammt. Da sich der chronische Unfleiß der Pfälzer naturgemäß erschwerend auf ihr berufliches Fortkommen auswirke, versuchten sie, sich anderweitig "durchzuwursteln" und bei jeder Gelegenheit durch irgendwelche Tricks "Pekuniäres" für sich herauszuschlagen, heißt es in der Urteilsbegründung des Richters. Dabei schreckten sie auch nicht davor zurück, jemanden vor Gericht "in die Pfanne zu hauen". Diese Eigenart der Pfälzer mache sie als Zeugen wenig glaubwürdig, weshalb man in einem solchen Falle auf einen Freispruch mangels Beweises hoffen kann, stellte das LG Mannheim in einem Urteil fest. (LG Mannheim, Urt. v. 23.1.1997; (12) 4 Ns 48/96 NJW 1997, 1995)

An einem 1. April wäre ich davon überzeugt, daß es sich um einen Scherz handelt. Man setze anstelle von Pfälzer eine andere Menschengruppe, zum Beispiel Juden oder Polen, und man kann sich vorstellen, welchen Wirbel solch ein Urteil hervorgerufen hätte. Dabei wirkt hier der vollkommen gleiche Mechanismus wie beim "Antisemitismus": Ein Individuum wird aufgrund seiner Zugehörigkeit zu einer kulturellen Gruppe und aufgrund der Pauschalurteile, die es über diese Gruppe gibt, abgestempelt. Dieser Richter wäre auf der Stelle entlassen worden, wenn er solche Aussagen über Juden und nicht über Pfälzer getroffen hätte. Aber so amüsieren sich alle, ohne zu erkennen, daß es vollkommen egal ist, ob Vorurteile gegenüber Behinderten, Homosexuellen und Juden oder eben Pfälzern in Rechtshandeln umgesetzt werden.

Posted by Sebastian @ 07:52 AM CET

Friday, February 20, 2004

Die Analyse des Carl Fürstenberg-Netzwerks brachte mir wieder sehr schöne 2 1/2 Seiten. Jetzt geht's weiter im Text :)

Posted by Sebastian @ 01:13 PM CET

Thursday, February 19, 2004

Soeben kam die Einladung: Die Ausstellung Juden Bürger Berliner. Das Gedächtnis der Familie Beer-Meyerbeer-Richter wird am Donnerstag, dem 18. März 2004, um 18 Uhr im Märkischen Museum eröffnet. Alle sind herzlich eingeladen.

Posted by Sebastian @ 12:41 PM CET

Ab dem 5. März gibt es monatlich Führungen durch Mendelssohn-Häuser in der Jägerstraße. Es sind dies sehr seltene Gelegenheiten, nacheinander das ehemalige Kassenhaus (Jägerstraße 49/50) der Mendelssohn-Bank, das noch aus dem 18. Jahrhundert stammende Stammhaus (Jägerstraße 51), die Belgische Botschaft, die auf den Grundstücken zweier ehemaliger Mendelssohn-Häuser steht und nach 1990 aus einem umgestalteten Plattenbau entstand (Jägerstraße 52/53), und das vom Club von Berlin erbaute, heute der Hamburgischen Landesvertretung gehörige Haus am anderen Ende der Straße (Jägerstraße 1), eingehend und unter kompetenter kunst- und kulturhistorischer Führung zu besichtigen. Nähere Informationen gibt es auf der Seite des Arbeitskreises Geschichtsmeile Jägerstraße.

Posted by Sebastian @ 11:29 AM CET

Wednesday, February 18, 2004

Ich werde einen Abschnitt zum Bankier Carl Fürstenberg schreiben, der sich familiär wie beruflich in einem unglaublichen Netz von Freunden bewegte, obwohl er als Zuwanderer nach Berlin gekommen war. Das alles ist sehr schön in seinen Lebenserinnerungen nachzuvollziehen, in denen auch ein reizendes Zitat aus einem Brief Walther Rathenaus von dessen Urlaub auf Westerland abgedruckt ist, das ich meinen Lesern nicht vorenthalten möchte:
Wenn eine Sturmfluth dieses Eiland versenkte, so wäre der Rechtsanwaltsstand in Berlin wieder christlich.

Posted by Sebastian @ 12:18 PM CET

Monday, February 16, 2004

Meine Rezension zu Salomon Korns Die fragile Grundlage ist von H-Soz-Kult sehr freundlich aufgenommen worden und wird am 25. März veröffentlicht. Der späte Termin ist auf einen Rezensionsstau bei diesem Forum zurückzuführen.

Posted by Sebastian @ 06:38 PM CET

Eine Woche vollkommenes Schweigen im Forschungstagebuch - das ist im wesentlichen auf drei Ursachen zurückzuführen: 1) eine Rezension für H-Soz-Kult, die an mich herangetragen wurde und die, falls sie nicht vom zuständigen Redakteur zurückgewiesen wird, demnächst im Netz zu lesen sein dürfte, 2) der letzte Verlängerungsantrag für die Naumann-Stiftung, noch nicht ganz fertiggestellt, aber weit gediehen, und 3) zwei Projekte, die mich nach Fertigstellung der Dissertation für einige Monate vor der Arbeitslosigkeit bewahren werden, deren Planung aber noch nicht weit genug gediehen ist, um sie hier schon vorzustellen.
Heute werde ich den Naumann-Antrag vollenden und mich ab morgen dann wieder der eigentlichen Dissertation zuwenden.

Posted by Sebastian @ 07:18 AM CET

Saturday, February 7, 2004

Eine neue Mendelssohn-Kurzbiographie ist fertig: Alexander Mendelssohn. Bei einem Schnitt von drei Kurzbiographien pro Jahr werde ich zum Lebensende vielleicht die halbe Familie erfaßt haben :)

Posted by Sebastian @ 04:23 PM CET

Das Buch trägt die Jahreszahl 2003, ist aber erst in diesem Jahr erschienen: Die erste Bestandsübersicht des Mendelssohn-Archivs in der Staatsbibliothek Berlin, die man in der Bibliothek für 20 Euro, im Buchhandel für 30 Euro erwerben kann. Es handelt sich hierbei um den ersten kompletten Überblick über die Bestände des Archivs und schließt auch die Deposita der Mendelssohn-Gesellschaft ein. Von Briefen über andere Manuskripte und Bankunterlagen bis hin zu Bildern wird dem potentiellen Nutzer vor Augen geführt, welche Schätze in diesem Archiv auf ihre Auswertung warten.
Das Verzeichnis hat allerdings einen wesentlichen Nachteil - seine unübersichtliche Erschließung. Das an sich sinnvolle Personenregister wird dadurch entwertet, daß es nicht mit Seitenzahlen, sondern mit Großbuchstaben arbeitet. Diese Großbuchstaben wurden jedoch teilweise in der Gliederung des Verzeichnisses mehrfach verwendet, so daß keine Eindeutigkeit gegeben ist. Zudem findet man an dem angegebenen Ort (soweit er sich ermitteln läßt) keinen Hinweis auf die gesuchte Person (z. B. Benjamin Mendelssohn), sondern kann nur vermuten, daß sich in dem betreffenden Bestand (z. B. Alexander Mendelssohn) wohl sehr verschiedene Materialien befinden. Hier kommt ein zweiter Nachteil hinzu - die nicht sehr weitgehende Erschließungstiefe, die man einem ersten Überblickswerk aber nicht zum Vorwurf machen kann.
Mit der Bestandsübersicht wird dem Forscher ein wichtiges Hilfsmittel in die Hand gegeben, dessen Benutzung allerdings detektivisches Fingerspitzengefühl erfordert.

Posted by Sebastian @ 12:44 PM CET

Friday, February 6, 2004

Soeben lese ich die Memoiren Hans Luthers, des ehemaligen Reichskanzlers und Reichsbankpräsidenten, Politiker ohne Partei, der ca. 1930 der Gesellschaft der Freunde bei- und nach 1933 wieder austrat. Er schreibt leider nichts über diesen Verein. Nicht einmal die Vorsitzenden und Wirtschaftsgrößen Oskar Wassermann und Franz von Mendelssohn werden im Personenregister aufgeführt. Stattdessen führt er den alten Luther-Helfferich-Schacht-Streit weiter, wer sich die Lorbeeren für Rentenmark und Währungsstabilisierung verdient habe. Schade.

Posted by Sebastian @ 06:50 AM CET

Thursday, February 5, 2004

Eigentlich gibt es an dieser Stelle nicht viele politische Statements. Aber die BBC ist die Radioinstitution meiner Jugend, als man sonst nur zwischen den Propagandasendern Ost- und Westberlins wählen konnte. Und Blair glaube ich nicht. Vom Irakkrieg will ich hier gar nicht erst sprechen. Also:

Click here to find out why.

Posted by Sebastian @ 09:01 AM CET

Wednesday, February 4, 2004

Der Artikel in der Berliner Morgenpost zum geplanten Umzug in der Jüdischen Gemeinde ist kürzer, bringt aber doch einige neue Informationen: Die Synagoge soll im angestammten Haus verbleiben. Und eine Entscheidung über den Umzugsplan soll auf der nächsten RV-Sitzung am 18. Februar fallen.

Posted by Sebastian @ 09:14 PM CET

Die Jüdische Gemeinde Berlin will aus Sicherheitsgründen ihr Gebäude in der Joachimsthaler Straße aufgeben, wo Rabbinerbüros, Teile der Gemeindeverwaltung und die orthodoxe Synagoge untergebracht sind, meldet heute die Berliner Zeitung. Für die Gemeindeverwaltung sollen Etagen im benachbarten Allianzhaus angemietet werden. Das Haus in der Fasanenstraße, in dem ebenfalls Teile der Gemeindeverwaltung sitzen, ist nach diesen Plänen nur noch für Kultur vorgesehen. Wohin die Synagoge ziehen soll, wird nicht erwähnt.

Posted by Sebastian @ 09:00 AM CET

Tuesday, February 3, 2004

Die Nationalgalerie beherbergte 1922 bis 1933 die Gemäldesammlung der Gesellschaft der Freunde, und daher stattete ich dem zugehörigen Archiv heute einen Besuch ab. Die betreffenden Akten hatte ich im September 1999 schon einmal eingesehen, aber das war ganz am Anfang der Planungsphase meiner Dissertation, so daß ich etliche der jetzt für mich wichtigen Informationen damals nicht erfaßte. Ein weiterer Grund für meine spärlichen Exzerpte ist der Umstand, daß ich 1999 noch ohne Laptop arbeitete. Nun sind die Lücken gefüllt, und ich kann den entsprechenden Abschnitt fertigschreiben.
Das gesamte Archiv der Nationalgalerie 1874-1945 (nur wenig Kriegsverluste) ist übrigens in einem gedruckten Findbuch erfaßt, das nicht nur die Bestandsgruppen, sondern jede einzelne Akte mit Titel und teilweise ausführlichen Zusatzinformationen aufführt. Seeehr praktisch. Und käuflich erwerbbar für 14 Euro.

Posted by Sebastian @ 02:23 PM CET

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