Archiv für March 2003

Monday, March 31, 2003

Von der gestrigen Tagung der AG Jüdische Wohlfahrt konnte ich einige wichtige Anregungen und Literaturhinweise mit nach Hause nehmen. Außerdem lernte ich eine Archivarin kennen, die ihre Diplomarbeit zum Deutsch-Israelischen Gemeindebund 1869-1900 geschrieben hat und mir diesen Text freundlicherweise zur Verfügung stellen wird.
Heute habe ich meinen Exkurs Vereinsdrucksachen als historische Quelle abschließen können. Für morgen steht das GStA auf dem Programm, und am Mittwoch werde ich mich um die Steuererklärung kümmern.

Posted by Sebastian @ 08:37 PM CET

Friday, March 28, 2003

Heute konnte ich meinen Exkurs zu den Vereinsdrucksachen als historische Quellen beinahe beenden. Die Abschnitte über Jahresberichte, Mitgliederverzeichnisse, Festschriften und Zeitungsannoncen sind fertig. Lediglich den Teil über die Satzungen habe ich erst zur Hälfte niedergeschrieben. Der Abschluß bleibt dem kommenden Montag vorbehalten.

Bei meiner heutigen Lektüre der Vossischen Zeitung stieß ich auf folgenden kleinen Artikel:
Des großen Kurfürsten Sinnspruch in der Fruchtbringenden Gesellschaft.
Bekannt ist, daß unser großer Kurfürst und seine vornehmsten Räthe, Otto von Schwerin d. A., Löben, Jena, Hertefeld, Leuchtmar, Knesebeck, Burgsdorf, Mitglieder der Fruchtbringenden Gesellschaft waren und daß Friedrich Wilhelm den Namen des Untadeligen mit Mirabolanenfrucht führte. Weniger bekannt ist seine eigene Einzeichnung in das Stammbuch des Palmenordens, welches in ich der Herzoglichen Schloßbibliothek zu Köthen vorfand. Dasselbe schließt sich mit No. 401. dem bekannten Drucke von Merian an und zeigt auf der ersten linken Blattseite das große kurfürstliche Wappen, sauber in heraldischen Farben ausgeführt. Darüber steht von des Kurfürsten Hand ein Denkvers, der echt Hohenzollernsche Gesinnung bekundet:
Große H. E. (Herrn) thun Woll, sich zu befleißen,
Den Armen Als den Reichen, Recht zu leisten.
Darunter der Name Friedrich Wilhelm Kurfürst von Brandenburg. Auf der gegenüberstehenden Seite befindet sich von der Hand des Gesellschafts-Oberhauptes das achtzeilige Reimgesetz, mit welchem der „Nährende“ Namen, Gemälde und Wort jedes Mitglieds zu erklären pflegte.
Was ist Mirabolanenfrucht ?
Barthold.

Und ich füge die Frage hinzu: Was sind die Fruchtbringende Gesellschaft und der Palmenorden ?

In der Aprilausgabe der Jewrejskaja Gasjeta gibt es unter anderen folgende Witze:
1) Spricht Perelmann: Wer mit dem Schwert zu uns kommt, dem werden wir es abkaufen.
2) Ein Christ und ein Jude streiten sich, wessen Gott die größeren Wunder vollbringt. Der Christ erzählt: Einmal regnete es ununterbrochen und in Strömen. Das ganze Land, alle Felder waren verwüstet. Da betete ich zu Gott, und ein Wunder geschah: Alles war mit Wasser bedeckt, nur mein Feld blieb trocken. Darauf der Jude: Das ist doch gar nichts. Ich ging an einem Sonnabend von der Synagoge nach Hause und sah auf der Straßen einen 100-Dollar-Schein liegen. Nun war Schabbat, ich durfte ihn nicht aufheben. Da betete ich zu Gott, und er erhörte mein Flehen: Überall war Sonnabend. Nur dort, wo der Geldschein lag, war Donnerstag !

Posted by Sebastian @ 09:15 PM CET

Das war ein produktiver Tag gestern ! Mein Abschnitt über die Vereinsdruckschriften, ursprünglich auf fünf Seiten konzipiert, erreichte am Abend bereits die siebente Seite. Mitgliederverzeichnisse und Anzeigen sind abgehandelt, heute sind Jahresberichte und Festschriften sowie, so weit ich komme, Satzungen an der Reihe. Spätestens am Montag ist dieser Exkurs beendet, und dann steht die Steuererklärung auf meiner Tagesordnung.

Posted by Sebastian @ 09:59 AM CET

Wednesday, March 26, 2003

Heute habe ich den Semester-Zwischenbericht für die Naumann-Stiftung fertiggestellt. Darin sind vier Seiten vermerkt, die ich bis Freitag schreiben will, und ich hoffe, daß ich mich auf diese Weise genügend unter Druck gesetzt habe. Sie gehören zu einem Exkurs über die Aussagekraft von Vereinsdrucksachen als historische Quellen, der insgesamt fünf Seiten umfassen soll - die erste Seite schrieb ich heute.
Ansonsten war heute ein kommunikativer Tag: Sechs Telephonate (mehr als sonst in einer ganzen Woche), acht Emails (und dabei ist noch lange nicht jede Email beantwortet) und vier Briefe konnte ich am Tagesende zählen.

Posted by Sebastian @ 08:52 PM CET

Wenn man an das Amtsgericht Schöneberg eine Bitte um Einsicht in ein Testament schickt, so bekommt man sein Schreiben zurück, ergänzt um die Information, daß Einsicht in Testamente ausschließlich Nachkommen oder deren Beauftragten erteilt wird, wenn diese im Besitz der Sterbeurkunde sind. Wenn man dann im Amtsgericht anruft, so erfährt man, daß man zwar keinerlei Auskünfte über Testamente, wohl aber über Nachlässe bekommen kann, wobei unter einem Nachlaß nichts anderes als ein eröffnetes Testament verstanden wird. Und dann schickt man seinen ersten Brief noch einmal los, ersetzt aber zuvor jedes Mal Testament durch Nachlaß und hofft, daß das Ergebnis jetzt günstiger ausfallen wird.

Eine weitere Firma für historische Recherchen hat in Berlin ihre Pforten geöffnet. Sie nennt sich aus unerfindlichen Gründen Canasta, obwohl sie nur aus zwei Personen besteht, während das gleichnamige Kartenspiel vier Mitspieler erfordert. Informationen gibt's hier.

Posted by Sebastian @ 09:03 AM CET

Tuesday, March 25, 2003

Gestern gab es nichts großartig Neues: Weiterarbeit am Text, positive Rückmeldungen von meinen Betreuern. Die Zahl der jüdischen Vereine in Berlin zwischen 1820 und 1870, die ich ermitteln konnte, steigt, was mich freut, weil ich nun langsam zur Kategorienbildung schreiten kann.
Ansonsten lohnt sich für alle Berlin-Interessierten ein Blick hier hinein.

Posted by Sebastian @ 06:21 AM CET

Sunday, March 23, 2003

Am Freitag traf sich die AG Juden im Wandel und schloß den Vortragszyklus Rechtsstellung der Juden in verschiedenen Städten oder Regionen Mitteleuropas zwischen 1750 und 1850 ab, in dem die Situationen in Böhmen und Prag, Anhalt-Dessau, Hamburg und Altona, Mecklenburg-Schwerin und Königreich Dänemark und Kopenhagen behandelt wurden. Als nächstes werden wir uns der Verfaßtheit der traditionellen jüdischen Gemeinde (Kehila) zwischen 1650 und 1750 zuwenden und haben uns dafür solche Bereiche wie Geistige Entwicklung, Bildungsinhalte und -strukturen, Kommunikation und Öffentlichkeit, Bildung und Organisationswesen ausgewählt.

Posted by Sebastian @ 08:41 AM CET

Friday, March 21, 2003

Gestern kam ich fast zu gar nichts. Meine Augen brannten, und ich war müde, und so war ich zum Schluß noch ganz froh, daß ich einige kleine Dinge erledigen konnte: Telephonate mit dem Stadtmuseum und dem Landesarchiv, Bibliotheksbesuche, Abholung des neuen Semestertickets, ein wenig Lektüre in der Allgemeinen Zeitung des Judentums und in der Vossischen Zeitung... Letztlich zählen nur die Seiten, und davon ist gestern keine hinzugekommen.
Immerhin habe ich endlich die Termine auf dieser Homepage akualisiert - falls es jemanden interessieren sollte.

Posted by Sebastian @ 09:18 AM CET

Thursday, March 20, 2003

Gestern verbrachte ich einen wenig ergiebigen halben Tag im Landesarchiv. Aber immerhin erwischte ich ein druckfrisches Exemplar der neuesten Ausgabe der Berliner Archive, die gerade einen Tag zuvor erschienen war. Dort entdeckte ich die Existenz des Krankenbuchlagers. Hinter diesem Namen verbirgt sich eine Institution, die sämtliche überlieferten Lazarettunterlagen der deutschen Armeen aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg sammelt und damit sehr gut die Wehrmachtsauskunftsstelle ergänzt.
Zudem fiel mir im Archiv ein Informationsblatt in die Hände, auf dem die durch den Austausch mit dem Brandenburgischen Landeshauptarchiv neu hinzugekommenen Bestände verzeichnet sind. Natürlich wurde ich sofort hellwach, als ich dort auf den Punkt Stadtgericht Berlin (Personenstandsregister-Akten der Juden und Dissidenten), 24,5 lfm, stieß. Allerdings ahnte mir bereits Schlimmes, als ich den Vermerk Findmittel: keine sah, und ein Telephonat brachte Gewißheit: Dieser Bestand ist vollkommen unzugänglich, und es ist auch nicht bekannt, wie detailliert die darin enthaltenen Informationen sind. Innerhalb der nächsten zwei Jahre wird sich an diesem Zustand nichts ändern. So kann ich mich nur damit trösten, daß diese Akten vermutlich nicht zentral für mich sind. Aber eigentlich ist es doch ein Unding, oder ?

Posted by Sebastian @ 09:51 AM CET

Wednesday, March 19, 2003

Kurzinformation: Gestern legte ich einen reinen GStA-Tag ein und arbeitete an einem 30-Stunden-Werkauftrag der Mendelssohn-Gesellschaft. Ich transkribiere eine komplette Mendelssohn-Akte, die für die Mendelssohn-Gemeinde hochspannende Neuigkeiten enthält. Es geht um die Verhaftung der Brüder Joseph und Abraham 1811 auf Veranlassung französischer Behörden, und obwohl die Akte nur ein halbes Jahr umspannt, steckt in ihr erstaunlich reichhaltiges, vielseitiges Material. Die Transkription muß bis zum 30. Juni beendet sein, was sehr viel Zeit ist, so daß ich die veranschlagten dreißig Stunden gut verteilen kann.

Posted by Sebastian @ 07:09 AM CET

Monday, March 17, 2003

Heute wurde mir im Amtsgericht Mitte das Testament Franz (später: von) Mendelssohns und seiner Frau vorgelegt. Ich habe es nur kurz überflogen und gleich Kopien beantragt. Interessanterweise lag auch der zugehörige Umschlag bei, verschlossen mit zwei Gerichtssiegeln und dazwischen dem Privatsiegel Mendelssohns. Es ließ sich mit meinem Apparat nicht vernünftig photographieren und war überhaupt winzig klein. Wie nimmt man eigentlich Abdrücke von Siegeln ? Mit Kerzenwachs ? Merkwürdig anmutend zudem: Die Akte hatte eigentlich 23 Blatt. Mein Schreiben lag bei und trug schon die Blattnummer 24.
Vor meinem Besuch im Amtsgericht in der Neuen Friedrichstraße nahm ich heute vormittag auf Einladung Robert-Alexander Bohnkes, eines Enkels Franz von Mendelssohns und Urenkels des oben genannten Franz Mendelssohns, an der Vorbesichtigung der Auktionsstücke teil, die die Firma Stargardt in den kommenden beiden Tagen versteigern wird. Schon im letzten Jahr hatte ich dieses Vergnügen. Diesmal hatte ich unter anderem zum ersten Mal zwei Briefe in russischer Handschrift des 18. Jahrhunderts (von Peter I. und Paul I.) sowie eine Oberlausitzer Urkunde mit einem in einer runden Holzkapsel verschlossenen Wachssiegel in der Hand. Wenn ich es mir recht überlege, würde ich sehr gern als Geschichtsgutachter für eine Firma wie Stargardt arbeiten.

Posted by Sebastian @ 07:38 PM CET

Die preußischen Verfassungen von 1848 und 1850 gibt es ebenso wie eine Menge anderer Urkunden, Gesetze und Dokumente (z. B: Reichsdeputationshauptschluß, Karlsbader Beschlüsse und ähnliches) bei www.dokumentarchiv.de im Internet. Das ist ein ausgesprochen lobenswerter Service, und wenn ich irgendwann zu viel Zeit haben sollte, werde ich ein Parallelprojekt beginnen. Genügend Ideen und Texte dafür liegen mir bereits vor.

Posted by Sebastian @ 08:14 AM CET

Friday, March 14, 2003

Ich kann nicht sagen, daß ich mit den zwölf Seiten, die jetzt nach zwei Wochen vorliegen, wirklich zufrieden bin. Mit jeder neuen Seite tauchen neue Probleme auf, inhaltlicher wie konzeptioneller Art, und es geht so langsam vorwärts. Aber andererseits bin ich doch wieder froh, daß es beständig vorwärts geht, und hoffe einfach, daß dieser Fortschritt andauert.

Posted by Sebastian @ 08:36 PM CET

Thursday, March 13, 2003

Gestern fand ein Nutzer auf meine Seite, der bei Google die Frage Wie organisiere ich meine Dissertation ? eingegeben hatte. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, eine Antwort auf diese Frage im Internet zu suchen.

Posted by Sebastian @ 03:20 PM CET

Um das Interesse noch zu erhöhen, sollte ich vielleicht erwähnen, daß der Culturverein erst nach einer mehr als einjährigen Gründungsphase mit der Arbeit begann, mit Sigismund Stern, Aron Bernstein, Ludwig Lesser, Meno Burg, Philipp Hellborn, Carl Heymann, Joseph Lehmann, Benjamin und Joseph Liebermann, Joseph und Alexander Mendelssohn, Jakob Meyerbeer, Benny Rathenau, Martin Steinthal und Moritz Veit ausgesprochen prominente Mitglieder hatte und gegenüber dem preußischen Staat eine vorher nicht dagewesene Haltung an den Tag legte, indem er betonte, daß die Emanzipation der Juden nicht von einer Vebesserung der innerjüdischen Verhältnisse abhängig gemacht werden könne, sondern als Menschenrecht bedingungslos erfolgen müsse. Nicht umsonst benannte er sich am Ende seiner Existenz in Verein zur Verbesserung der innern und äußern Zustände der Juden in Preußen um.

Posted by Sebastian @ 01:43 PM CET

Ich habe meinen Text jetzt umstrukturiert und in der Konsequenz damit begonnen, auch die übrigen zwischen 1819 und 1880 gegründeten Vereine zu potraitieren. Beim Verein für Wissenschaft und Cultur der Juden von 1819 mache ich es mir einfach und verweise auf die Literatur. Zum Culturverein von 1841 dagegen gibt es so gut wie keine Literatur, nur eine einzige Erwähnung, aber erstaunlich viele Quellen. Für eine Magisterarbeit würde das Material allemal genügen, womöglich sogar für eine eigene Dissertation, denn im Gegensatz zur Gesellschaft der Freunde publizierte der Culturverein eine ganze Reihe programmatischer Schriften, stellte Preisaufgaben und wurde über die ganze siebenjährige Zeit seiner Existenz sehr rege von der Öffentlichkeit beobachtet. Daß der Verein 1847 verboten, dieses Verbot aber nach wenigen Wochen zurückgenommen wurde und der Verein sich dennoch kurz darauf selbst auflöste, gibt dem ganzen einen fast bühnenreifen Abschluß, zumal wenn man bedenkt, daß ein Jahr später die Revolution so vieles umstürzte. Schließlich gab es auch noch eine Art Nachfolgeorganisation in dem Verein zur Unterstützung jüdischer Lehrer in Preußen. Nun, möchte nicht einer meiner Leser das Thema übernehmen ? Ich stelle auch alle Quellenangaben zur Verfügung.

Posted by Sebastian @ 01:32 PM CET

Was ist denn plötzlich los ?! Der Direktor der Staatsbibliothek ist zurückgetreten, und Vorstand und Repräsentantenversammmlung der Jüdischen Gemeinde haben sich für aufgelöst erklärt. Und alles steht heute in der Zeitung. Über die Vorgänge in der Jüdischen Gemeinde gibt es dort noch keine näheren Informationen. Zu den Hintergründen von Jefcoates Rücktritt wurden keine offiziellen Informationen bekanntgegeben, aber es kursieren Gerüchte ("Wie zu hören war..."): Der Engländer sei es leid gewesen, daß Verwaltungsvorschriften Entlassungen und Umbesetzungen praktisch verhinderten. Das ist genau meine Meinung: Ohne das Recht auf Entlassungen wird man den Berliner öffentlichen Dienst nie in Bewegung bekommen. Zudem haben seine fehlenden Kenntnisse deutsch-deutscher Verhältnisse die Arbeit zusätzlich erschwert. Übersetzt: Noch zehn Jahre nach der Vereinigung der beiden Bibliotheken bekämpfen sich Ost und West ausdauernd und leidenschaftlich. Ja, wie soll man Chef sein und den Laden in Ordnung bringen, wenn man keinerlei Sanktionsmöglichkeiten gegenüber seinem Personal hat ?

Posted by Sebastian @ 11:26 AM CET

Wednesday, March 12, 2003

Unglaublich, aber wahr: Die gesamte zwölfbändige Jewish Encyclopedia aus den Jahren 1901-1906 ist online verfügbar, und zwar sowohl als Scan der Originalausgabe, als auch als Volltextversion. Warum hat mir noch nie jemand davon erzählt ?!

Posted by Sebastian @ 10:13 AM CET

Tuesday, March 11, 2003

Gestern merkte ich, daß ich an meiner Textkonzeption etwas ändern muß. Bisher war mein Plan, die in der Neuen Friedrichstraße 35 tagenden Vereine aufzulisten und zu portraitieren. An anderer Stelle sollten dann noch die Vereine vorgestellt werden, die der ersten Gruppe nicht angehören, aber mit der Gesellschaft über ihre Führungsmitglieder eng verbunden sind. Doch diese Trennung läßt sich nicht aufrechterhalten. Ich muß das jüdische Vereinswesen als Ganzes vorab behandeln, um dann jeweils im Zusammenhang mit dem Ort (Neue Friedrichstraße 35) und mit den Personen (Gründungsmitglieder, Führungsmitglieder) auf die in Frage kommenden Organisationen zu verweisen.

Zudem habe ich herausgefunden, daß Arthur (ab 1908: von) Gwinner keine jüdischen Vorfahren hat und somit einer der wenigen Freunde dieser Art im Kaiserreich ist (der dritte, den ich ausfindig machen konnte). In seiner Autobiographie schreibt Gwinner zwar nicht ausdrücklich über die Religion seiner Vorfahren. Er erwähnt aber, daß sein Großvater Bürgermeister von Frankfurt (Main) war und daß einzelne meiner Freunde nicht damit einverstanden waren, daß ich eine getaufte Jüdin heiratete. Letzteres war 1885. Beides zusammengenommen läßt den Schluß zu, daß Gwinner zum einen keine Juden unter seinen Vorfahren hatte und daß er andererseits weniger Berührungsängste gegenüber jüdischen Milieus hatte als ein Gutteil seiner Zeitgenossen.

Posted by Sebastian @ 08:49 AM CET

Friday, March 7, 2003

Heute kam der erste Besucher aus Japan auf meine Seite - herzlich Willkommen !
Abgesehen davon wurde meine Bibliothek in dieser Woche um drei Bücher ergänzt: Arthur von Gwinners Lebenserinnerungen, die mir das Historische Institut der Deutschen Bank freundlicherweise kostenlos zusandte. Von Gwinner war Mitglied der Gesellschaft, zu seiner Zeit höchstwahrscheinlich eines der ganz wenigen ohne jüdischen Hintergrund, und Vorstandsmitglied der Deutschen Bank; das Tagebuch Gertrud Bleichröders, deren Vater Julius, Onkel Gerson, Großvater Samuel und Großonkel Sußmann Mitglieder der Gesellschaft waren; das so ziemlich einzige Buch zum Friedhof Schönhauser Allee, das weit besser ist, als ich dachte, mein geplantes Friedhofsprojekt aber nicht obsolet werden läßt. Alles in allem genügend Lektüre für die nächsten Tage.

Posted by Sebastian @ 09:44 PM CET

Thursday, March 6, 2003

Der heutige Tag wurde dominiert vom Treffen der AG Juden im Wandel, während welchem wir einen Bericht von der letzten Tagung im Dubnow-Institut (Kurzeinschätzung: durchwachsen) und ein Referat über die Rechtsverhaltnisse der Juden in Hamburg und Altona vorgetragen bekamen. Bei letzterem erstaunte mich am meisten, daß aus Hamburg zeitweilig zwar die askanasischen, nicht aber die sephardischen Juden vertrieben wurden. Man machte ganz klare Unterschiede zwischen diesen beiden Gemeinden. Letztere wurden als sehr viel wichtiger für Wirtschaft und Handel angesehen, weshalb sie bleiben durften.

Posted by Sebastian @ 08:25 PM CET

Wednesday, March 5, 2003

Heute bearbeitete ich unter anderem den Hülfsverein für Märkisch-Friedland und stellte erst bei dieser Gelegenheit fest, welch interessante Rolle dieses Friedland für die märkischen Juden spielte. Es kam im 14. Jahrhundert an Polen, blieb aber weiterhin unter der Regierung der lokalen deutschen Adligen und war einer der Anlaufpunkte der im 16. Jahrhundert aus der Mark vertriebenen Juden. Zeitweise stellten die Juden 50 % der Friedländer Einwohnerschaft. 1772, mit der ersten polnischen Teilung, kam Friedland wieder an Brandenburg, später an die Provinz Westpreußen. Friedrich II. vertrieb einen großen Teil der Friedländer Juden nach Rest-Polen, was den Niedergang der Stadt einleitete. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam es dann zu einer sich verstärkenden Auswanderung nach Berlin. Unter anderem kam von hier auch die Familie Liebermann in die preußische Hauptstadt.
Interessanterweise scheint es so gut wie keine neuere Forschungsliteratur zu geben, obwohl Märkisch-Friedland, das über Jahrhunderte im Grenzraum von Polen, Brandenburg und Pommern lag, sowohl für die deutsch-jüdische, als auch für die deutsch-polnische Geschichte von großem Interesse sein müßte. Nur einen Artikel fand ich in einem Sammelband. Der ist aber einfach katastrophal - ohne Einführung in den Forschungsstand, ohne Fragestellung, ohne Einbettung in den historischen Kontext. Schade.
Kennt vielleicht einer meiner Leser Literatur zu Märkisch-Friedland ?

Posted by Sebastian @ 09:38 PM CET

Tuesday, March 4, 2003

Ich bin wieder zu meinem Arbeitsrhythmus der letzten Schreibphase zurückgekehrt: vormittags Arbeit am Text, nachmittags Quellen- und Literaturstudium in Archiven und Bibliotheken und im Internet. Gestern entdeckte ich in der AZJ einen ausführlichen Bericht über die Geschichte des Vereins zur Unterstützung jüdischer Lehrer in Preußen. Bei diesem Verein konnte ich zwar noch kein Tagen in der Neuen Friedrichstraße 35 feststellen. Dafür gibt es deutliche personelle Überschneidungen mit der Gesellschaft der Freunde, nicht zuletzt deshalb, weil dieser Lehrerunterstützungsverein 1847/48 aus dem aufgelösten Culturverein hervorging, welcher wiederum 1841 unter führender Teilnahme dutzender Freunde entstanden war.

Posted by Sebastian @ 07:51 PM CET

(Archiv-Index)   (Home)

Powered By Greymatter

counted by and