Archiv für September 2002

Monday, September 30, 2002

Für alle, die am vorletzten Wochenende CDU wählen wollten und es dann doch nicht taten - das wäre Ihr Preis gewesen:

Posted by Sebastian @ 07:37 PM CET

Schon gewußt ? Die D-Mark geht, die Uckermark bleibt. (Tourismus-Werbespruch in Templin)

Posted by Sebastian @ 09:46 AM CET

Saturday, September 28, 2002

Vor kurzem wurde ich darauf hingewiesen, daß der erste Vorsteher der Gesellschaft der Freunde, Meyer Warburg, doch möglicherweise aus der Familie stammen könnte, die 1798 das heute noch bestehende Hamburger Bankhauses M. M. Warburg & Co. gründete. Im Netz fand ich eine Monographie aus den 1970er Jahren, die die Firma behandelt: Das Bankhaus M. M. Warburg & Co. 1798-1938, die ich inzwischen auch einsehen konnte. Leider mußte ich feststellen, daß die Informationen zur Familie für die Zeit um 1800 ausgesprochen dürftig sind - "Wie erzählt wird..." oder "Wie in der Familie überliefert ist..." sind die üblichen Nachweise. Die nicht in der Bank tätigen Verwandten werden einmal pauschal erwähnt. Sollte einer meiner Leser mehr über die Geschichte der Warburg-Familie im späten 18. Jahrhundert wissen, so wäre ich für einen Hinweis sehr dankbar.

Posted by Sebastian @ 08:13 PM CET

Friday, September 27, 2002

Heute gäbe es so viel zu berichten, aber angesichts der fortgeschrittenen Zeit möchte ich mich auf einen Punkt beschränken. Da ich mit den Heymann-Erinnerungen so viel Glück hatte und nun auf die Beersche Familie gestoßen bin, habe ich mir die Meyerbeer-Tagebücher vorgenommen (bei Amazon kann man den Preis bewundern). Das ist ein recht großes Unterfangen - in diesem Jahr wurde der sechste (!) Band der "Briefwechsel und Tagebücher" ediert, und ein Ende ist noch nicht in Sicht. Diese Tagebücher haben eine ganz besondere Geschichte. Meyerbeer ließ sie und seine übrigen Papiere testamentarisch komplett sperren, woran sich seine Nachkommen so lange hielten, bis der gesamte Nachlaß, der inzwischen als Depositum in der Staatsbibliothek Berlin gelandet war, 1944 nach Schlesien ausgelagert wurde und dort verschwand. Zum Glück hatte ein Bibliothekar zuvor umfangreiche Abschriften aus den Tagebüchern angefertigt, weil er eine Publikation plante, die dann von den Erben untersagt wurde. Nach dem 2. Weltkrieg stimmten die Meyerbeer-Nachkommen immerhin der Publikation der Abschriften zu, die ab 1960 mit dem ersten Band in Angriff genommen wurde.
Eine Frage an meine Leser: Hat irgend jemand schon einmal ein Musikstück von Giacomo Meyerbeer gehört ? Falls ja: Welchen Eindruck hat es gemacht ? Ich komme aus einer Musikerfamilie, aber Meyerbeer ist musikalisch für mich ein vollkommen weißes Blatt.

Posted by Sebastian @ 09:36 PM CET

Thursday, September 26, 2002

Heute fand ich im Landesarchiv nicht nur die Stadtpläne, die ich suchte (sie werden mir übrigens auf CD gebrannt). Ich las zudem ausgiebig in der Chronik des Vereins zur Verbreitung der Handwerke und des Ackerbaus unter den Juden im Preußischen Staate. Dieser Verein spielt schon im ersten Teil meiner Dissertation eine Rolle, nur wußte ich bisher wenig über seine spätere Geschichte. Diese Lücke ist jetzt - zumindest bis 1898 - so gut gefüllt, daß ich schon überlege, einen eigenen Artikel über diesen Verein und die aktive Rolle, die Joseph und Alexander Mendelssohn in ihm spielten, für die Mendelssohn-Studien zu schreiben. All dies kann und will ich nicht in der Dissertation unterbringen, da wäre es praktisch, einen Teil der Daten auszulagern, so daß ich einfach darauf verweisen kann.
Schließlich erfuhr ich noch vom Chefkartographen des Archivs, daß die Stiftung Stadtmuseum vor ein paar Jahren den Familiennachlaß Beer erwerben konnte und nun auf dieser Grundlage eine Ausstellung plant. Mehrere Beers, darunter der Komponist Jacob Meyer Beer (Giacomo Meyerbeer) waren Mitglieder der Gesellschaft der Freunde, so daß weitere Funde an dieser Stelle möglich sind.
Hinter der Adresse www.meyerbeer.com verbirgt sich übrigens ein Meyerbeer-Fanclub , während www.meyerbeer.de von einem schnöden Café am Kurfürstendamm gekauft wurde.

Posted by Sebastian @ 08:44 PM CET

Wednesday, September 25, 2002

Heute fand ich in der Vossischen Zeitung neben einer Reihe anderer interessanter Hinweise die Information, daß zwei weitere Vereine, der Talmud-Verein und der Vorschußverein für hülfsbedürftige Mitglieder der jüdischen Gemeinde ihre Generalversammlungen in den Räumen der Gesellschaft der Freunde abhielten. Letzterer vergab zinslose Kredite in Höhe von 30-50 Thalern an Handwerker oder Händler. Jeder Antragsteller mußte einen Bürgen benennen, der bei Zahlungsunfähigkeit des Kreditnehmers für diesen einspringen mußte. Finanziert wurde das System durch Mitgliedsbeiträge und Spenden.
Ich bin jedes Mal aufs Neue erstaunt, wenn mir die Wohltätigkeit des 19. Jahrhunderts wieder in einer bislang unbekannten Form entgegentritt. Heute existiert von all dem nichts mehr, und das ist nicht nur eine Folge des Dritten Reiches. Es kann auch nicht nur daran liegen, daß im heutigen Deutschland jeder Mensch sozial grundabgesichert ist. Was hat sich geändert ?

Posted by Sebastian @ 09:08 PM CET

Endlich konnte ich die Überarbeitung des Inhaltsverzeichnisses aller Ausgaben der Mendelssohn-Studien abschließend. Es ist zu finden auf der Homepage der Mendelssohn-Gesellschaft, unter anderem bei "Wissenschaft", und präsentiert sich übersichtlicher, vollständiger und besser lesbar als je zuvor.

Posted by Sebastian @ 01:23 PM CET

Es wird schon wieder eine neue Autobahn geplant in Ostdeutschland: die A 16 von Cottbus nach Leipzig. Als ob die Ostseeautobahn nicht schon genügend Schaden anrichten würde, soll jetzt auch der südbrandenburgisch-nordsächsische Raum zerstört werden. Davon berichtet heute die Berliner Zeitung. Im Internet finden sich zusätzlich die Informationen, daß Leipzig diese Verbindung als wichtig für seine Olympiabewerbung 2006 ansieht und daß zudem noch Hoyerswerda dringend einen Autobahnanschluß an die A 13 (Dreieck Spreewald-Dresden) fordert.
Und die Grünen werden die Aufnahme zumindest des ersten Projektes in den Bundesverkehrswegeplan 2003 nicht verhindern, schon gar nicht aus ökologischen Erwägungen. Man kann nur auf leere Kassen hoffen.

Posted by Sebastian @ 08:30 AM CET

Tuesday, September 24, 2002

Heute gab es zu viel Trubel in der Kartenabteilung, so daß ich im wesentlichen Findbücher durchstöberte und mich freute, wie viele Informationen zum Berliner Judentum des 19. Jahrhunderts doch erhalten zu sein scheinen. Ob die Aktentitel halten, was sie versprechen, werde ich dann am Donnerstag erfahren. Dann werde ich höchstwahrscheinlich auch die erhofften Stadtpläne auswählen können.

Posted by Sebastian @ 09:59 PM CET

Monday, September 23, 2002

Heute nachmittag, auf dem Rückweg von meiner Hebräischstunde, war es so kalt und regnerisch und dunkelgrau auf der Straße, daß ich mich wie auf dem Weihnachtsmarkt fühlte. Ob das jetzt drei Monate lang so weitergeht ?
Morgen komme ich endlich wieder einmal ins Archiv, und zwar ins Landesarchiv. Ich werde dort für meine Topographie nach passenden Stadtplänen suchen, und vielleicht enthält der eine oder der andere dieser Pläne auch noch Zusatzinformationen.
Die vor ein paar Tagen erwähnte multinationale Naumann-Doktorandin hatte die Idee, daß ich für die Stipendiaten der Stiftung einen historischen Spaziergang durch die Berliner Innenstadt anbieten könnte. An sich war ich noch nie interessiert daran, mich als Stadtführer zu betätigen, aber diesmal gefällt mir der Gedanke. Noch weiß ich nicht, wie mein Zeitkontingent im kommenden Frühling aussehen wird. Aber vielleicht werde ich dann tatsächlich eine Einladung über die FNSt-Berlin-Mailingliste versenden.

Posted by Sebastian @ 08:59 PM CET

Sunday, September 22, 2002

Die neueste Zeit veröffentlicht die Top 10 der im Wintersemester 2000/01 von den Studenten gewählten Studienfächer. Daß BWL auf Platz 1 liegt und sich Jura, Medizin, Wirtschaftswissenschaften und Informatik unter den ersten sechs Fächern befinden, verwundert niemanden wirklich. Aber wie um alles in der Welt kommt Germanistik auf Platz 3 ?! (Geschichte taucht in den Top 10 nicht auf.)

Posted by Sebastian @ 09:44 AM CET

Friday, September 20, 2002

Mmh, nun ja, "ausführliche Nachricht" war ein wenig viel versprochen. Heute war mein Tag weitgehend mit Arbeit an der Homepage der Mendelssohn-Gesellschaft gefüllt. Das Ergebnis steht noch nicht im Netz, weil es sich im Wesentlichen um die echt langwierige Umarbeitung von mit Editoren hergestellten Seiten handelt. Das heißt, ich gestalte von einem Programm geschriebene Seiten selbst und zwar so, daß man zum Schluß möglichst keinen Unterschied sieht. Ein wenig Ergänzung gibt es auch - sonst würde ich nicht so viel Aufwand betreiben.
Ansonsten war heute noch interessant, daß ich bei einem Treffen der Naumann-Stipendiaten eine US-Amerikanerin kennenlernte, die in Deutschland promoviert, die einen niederländischen Freund hat, deren Vater ein im Iran aufgewachsener Armenier und deren Mutter eine aus Tokio stammende Japanerin ist. In jedem Film wäre das unglaubwürdig, so etwas gibt es nur im echten Leben.

Posted by Sebastian @ 10:55 PM CET

Thursday, September 19, 2002

Heute ist es zu spät geworden, um heute noch einen richtigen Eintrag zu schreiben, aber morgen wird es wieder eine ausführliche Nachricht geben. Versprochen !

Posted by Sebastian @ 10:49 PM CET

Wednesday, September 18, 2002

Hurra ! Endlich habe ich gefunden, wonach ich so viele Jahre suchte. Nein, nicht das Archiv der Gesellschaft, das bleibt weiterhin verborgen. Aber gestern abend, bei der Lektüre der Heymann-Lebenserinnerungen, fand ich sie, die Stelle, an der der Autor über die Gesellschaft der Freunde schreibt. Nicht nur eine Erwähnung, daß sein Bruder in den Räumen der Gesellschaft heiratete oder daß die Chewrath Mohalim in diesen Räumen ihr 150jähriges Jubiläum feierte. All dies ist wichtig und wurde notiert. Aber daneben schreibt Heymann über die Gesellschaft selbst, über seine Erfahrungen während seiner Mitgliedschaft, seine Meinung, seine Kritik, sein Lob. Und zwar nicht auf 1-2 Seiten, sondern auf 7 (in Worten: sieben) Seiten. Ganze Szenen werden gezeichnet, Konfliktlinien nachgezogen. Es ist für mich vollkommen neues Material, das sich da auftut, und selbst wenn ich die Aussagen quellenkritisch relativiere, bleibt der Fund unglaublich wertvoll. Am wichtigsten sind die Informationen über Auseinandersetzungen um die inneren Beziehungen des Vereins zum Judentum und über die Entwicklung der Vereinsgeselligkeit über die Jahrzehnte.
Auf jeden Fall bin ich überglücklich. Welche Entdeckungen werden noch vor mir liegen ?

Posted by Sebastian @ 05:09 PM CET

Tuesday, September 17, 2002

Heute vormittag schrieb ich meinen Bericht für das Graduiertenkolleg. Obwohl ich mich sehr anstrengte und mehrere Versuche unternahm, den Text länger und ausführlicher zu gestalten, kam ich schließlich bei einem Zeilenabstand von 1 1/2 nur auf zwei Seiten. Ich bin ein hoffnungsloser Fall.
Dafür habe ich nun die Heymann-Memoiren zu Hause und lese gespannt darin. Dieser Aron Hirsch Heymann hatte tatsächlich fast alle Funktionen inne, die in der Berliner Jüdischen Gemeinde und in ihren traditionell orientierten Organisationen nur zu vergeben waren.

Posted by Sebastian @ 06:44 PM CET

Monday, September 16, 2002

Heute begann ich mit der Lektüre der Memoiren Aron Hirsch Heymanns, und sie eröffnen wirklich eine faszinierende, unbekannte Welt, trotzdem ich mich nun schon so lange mit dem 19. Jahrhundert beschäftige. Aber wann habe ich wirklich etwas von einer jüdischen Kleinstadtgemeinde wie der Strausbergs, wann etwas über das Alltagsleben einer jungen jüdischen Familie im Berlin der 1830er Jahre gelesen ? Noch bin ich nicht einmal bis zur Mitte vorgedrungen, noch liegen die Ränke und Feindschaften innerhalb der Leitung der Berliner Gemeinde vor mir. Aber ich konnte bereits die Beschreibung einer Hochzeit in den Räumen der Gesellschaft der Freunde (ein Motiv, das ich bisher nur aus der Belletristik kannte) und den Hinweis auf eine familiäre Querverbindung des Freundes Heymann mit dem Freund Philipp Hellborn entdecken. Hellborn, der auch in der Gemeinde eine Rolle spielte, heiratete Heymanns Schwester, aber das Verhältnis zwischen den beiden Schwägern muß doch recht kühl gewesen sein.
Vermutlich werde ich die Memoiren demnächst sogar nach Hause ausleihen und dann in Ruhe und vollständig studieren können.

Posted by Sebastian @ 09:07 PM CET

Sunday, September 15, 2002

Es ist unglaublich - die Online-Kataloge der Staatsbibliothek, der HU-Universitätsbibliothek, des GBV und des VÖBB sind teilweise oder komplett außer Betrieb. Was ist hier los ? Ist ein Datenbankvirus auf alle Opacs losgelassen worden ? Oder handelt es sich um den subversiven Einfluß der christlichen Kirchen, die die Sonntagsruhe mit aller Macht durchsetzen wollen ?

Posted by Sebastian @ 05:09 PM CET

Nun habe ich schon fünf Tage hintereinander in dieses Tagebuch geschrieben - vermutlich ein einsamer Rekord. Heute ist Sonntag, also ruht die Arbeit. (Zumindest weitgehend - vielleicht ergänze ich meine Mitgliederdatenbank ein klein wenig.) Aber ich kann berichten, daß das neue Photo (oben rechts) heute auf dem Johannisthaler Flugplatz aufgenommen wurde. Dieses Berliner "Entwicklungsgebiet" schläft vollkommen vor sich hin, und ehrlich gesagt wäre ich gar nicht so böse darüber, wenn das noch eine Weile so bliebe. Mit der Bebauung würde auch der kleinste Überrest von Geschichte getilgt werden: Gleise, alte Gebäude, Wachtürme und Mauern, Wegeführungen, Reste der Landebahnen usw.

Posted by Sebastian @ 12:04 PM CET

Saturday, September 14, 2002

Hier, am Bahnhof Potsdam, gibt es doch tatsächlich die Möglichkeit zum freien Surfen. Da kann ich nicht widerstehen und muß unbedingt diese kleine Nachricht absenden :)

Posted by Sebastian @ 11:42 AM CET

Ist ein kleines Beispiel für Berliner Mißtwirtschaft gefällig ? Der Groß Berliner Damm in Johannisthal wird bis zum Entwicklungsgebiet Adlershof verlängert. Diesem Straßenneubau ist nur zuzustimmen. Kein Baum muß gefällt werden, keine Fläche neu versiegelt, denn der Weg führt über eine Industriebrache am Rande des Flugplatzes Johannisthal. Auch Anwohner gibt es kaum, die der möglicherweise stärker werdenden Verkehr stören könnte. Aber eines ist bezeichnend: Aus Geldmangel sollen in der Straße nicht die Gleise der geplanten Straßenbahn verlegt werden. Nachdem die Straße dann 2006 fertiggestellt ist, sollen 2007 die Arbeiten für die Straßenbahn beginnen - die frischasphaltierte Oberfläche wird also gleich wieder aufgerissen ! Oder man rechnet im Stillen damit, daß man diese Straßenbahn eigentlich sowieso nicht baut ?

Es gibt aber noch eine andere, frohe Neuigkeit: Ein Brief der Naumann-Stiftung teilt mir mit, daß mein Stipendium um ein Jahr verlängert wurde. Ist das nicht wunderbar ?

Posted by Sebastian @ 07:37 AM CET

Friday, September 13, 2002

Noch ein Nachtrag vom vergangenen Freitag, als ich an einer Ecke in der Spandauer Vorstadt gleich vier Plakate der Partei Bibeltreuer Christen (PBC) entdeckte. Solidarität und Freundschaft mit Israel dürfte so direkt und einseitig wohl keine andere deutsche politische Partei fordern, zumal die offizielle Homepage noch genauer ausführt: ... eine Stimme für das Existenzrecht Israels in dem dem jüdischen Volk von GOTT zum ewigen Besitz gegebenen Land, einschließlich dem biblischen Judäa und Samaria, der sogenannten "Westbank". Aber auch die übrigen Slogans sind einer Betrachtung wert, so daß sie dem interessierten Leser hier präsentiert werden.

   

   

In der Friedrichstraße verlangt ein fünftes Plakat noch Hände weg vom Okkultismus - gegen welchen der politischen Gegner sich diese Aufforderung richtet ? Aber die BCs haben wohl sowieso eine ganz andere Auffassung vom Funktionieren unseres politischen Systems. In Johannisthal und Umgebung (wie auch in allen anderen Stadtteilen, soweit ich sie in den letzten Wochen besuchte) präsentiert sich die PBC übrigens überhaupt nicht. Wahrscheinlich vermutet die Partei, daß wahrhaft bibeltreue Christen sowieso nur in Berlin-Mitte zu finden sind.

Posted by Sebastian @ 08:22 AM CET

Thursday, September 12, 2002

In den Lesesaal der Universitätsbibliothek der HU nehmen die Leute nicht nur ihre Taschen, Tüten, Rucksäcke, Mäntel und Trinkflaschen mit sich – diese Dinge ist man inzwischen ja in allen Berliner Bibliotheken gewöhnt. Hier werden daneben auch lautstark Telephongespräche geführt, Zärtlichkeiten ausgetauscht, Computerspiele gespielt und Baguettes verspeist. Vielleicht bin ich ja etwas altertümlich, aber merkwürdig erscheint mir das doch.
In der Vossischen Zeitung gelang mir heute wieder ein guter Fund. Vor ein paar Tagen registrierte ich, daß der Hülfsverein für Märkisch-Friedland im Haus der Gesellschaft der Freunde in der Neuen Friedrichstraße 35 tagte. Leider wußte ich überhaupt nichts Näheres über diesen Verein. Die Literatur schweigt natürlich. Nur aufgrund der Namen der Vorstandsmitglieder, die in einer Anzeige vermerkt waren, und aufgrund der Tatsache, daß sich sonst nur jüdische Vereine bei Gesellschaft trafen, vermutete ich, daß es sich auch hier um einen jüdischen Verein handeln müßte. Und so war es auch. Heute entdeckte ich einen mittellangen Artikel über die Gründung eben dieses Verein, die - erfreulicherweise - in der Neuen Friedrichstraße 35 stattfand. Initiator war ein langjähriges Mitglied der Gesellschaft der Freunde. Und einen Steckbrief über die Ziele des Vereins (Unterstützung der jüdischen Alten in dem Städtchen und Förderung der dorther Stammenden und ihrer Nachkommen) wurde mir gleich mitgeliefert.

Posted by Sebastian @ 07:17 PM CET

Wednesday, September 11, 2002

Am vergangenen Freitag berichtete die Berliner Zeitung (hier) über einen Aktenfund, der wieder einmal beweist, daß selbst Bestände regulärer Behörden nicht vor irregulärer Verschleppung sicher sind und fehlende Akten überall, wirklich überall stecken können. Die Akte des Köpenicker Magistrats über den Fall des Schusters Wilhelm Voigt (Hauptmann von Köpenick) wurde auf einem Dachboden im hessischen Königstein gefunden. Dorthin gelangte sie, weil ein Köpenicker Rechtsbeauftragter nach dem Ende seiner Amtszeit 1949 meinte, sie nur so vor der Vernichtung retten zu können. Sehr ominös, aber welchen Grund auch immer der gute Mann hatte - ich kann wohl davon ausgehen, daß das Archiv der Gesellschaft der Freunde nicht nur auf den Gebieten der ehemaligen CSSR, UdSSR oder VR Polen, sondern auch auf Dachböden und in Kellern in Hessen zu suchen ist. Und wieviel Akten mögen sich noch dort tummeln ?!

Posted by Sebastian @ 09:22 AM CET

Tuesday, September 10, 2002

Ich habe überlegt, mir die Lebenserinnerungen A. H. Heymanns zuzulegen. Heymann war Mitglied der Gesellschaft der Freunde, führender Funktionär einer Reihe anderer jüdischer Vereine in Berlin und Mitbegründer von Adass Jisroel. Nachdem ich aber im ZVAB nur ein einziges Angebot zum Preis von 100 Euro fand, merkte ich, daß ich diese Memoiren doch nicht unbedingt selbst besitzen muß.

Posted by Sebastian @ 11:00 AM CET

Beim Studium der Vossischen Zeitung wurde mir klar: Ich müßte dringend ausländische Periodika durchsehen. Es gibt in der Vossischen regelmäßig eine Rubrik „Reisebriefe“, im März 1858 beschreiben sie sehr ausführlich Paris. Irgendwo in der Welt wurden damals garantiert hochspannende Reisebriefe aus Berlin publiziert.

Posted by Sebastian @ 10:03 AM CET

Wenn ich an den vergangenen Tagen stumm blieb, so ist es diesmal eindeutig meiner vollkommenen Auslastung zuzuschreiben. Oft hatte ich interessante Dinge zu erzählen, kam aber einfach nicht dazu. Doch jetzt möchte ich meine Leser nicht länger warten lassen. Zunächst ein paar Ergänzungen zu früheren Eintragungen:
1.
Wie die Berliner Zeitung heute berichtete, stimmten 70 % aller Teilnehmer an der Umfrage zum künftigen Namen des Kreuzungsbahnhofs im Berliner Zentrum für den historischen Namen "Lehrter Bahnhof", nicht für "Berlin-Mitte", nicht für "Berlin-Hauptbahnhof". Das Resultat: Der Senat in Person von Herrn Strieder und die Bahn in Person von Herrn Mehdorn einigen sich auf den Namen "Berlin Hauptbahnhof", der als Alibi die Zusatzbezeichnung "Lehrter Bahnhof" bekommen soll. Trotzdem ich das schon vermutete, bin ziemlich ärgerlich. Zwei Umfragen werden veranstaltet, die jedesmal ein eindeutiges Ergebnis bringen, und dann haben Senat und Bahn nichts anderes zu tun, als die Entscheidung zu ignorieren. Dann sollen diese beiden Institutionen doch mutig genug zu sein, gleich und ohne pseudodemokratische Sperenzchen ihre Wünsche zu diktieren.
2.
Das Bundesarchiv hat das Mißverständnis - ich sei der offizielle Vertreter des Sonderarchivs - aufgeklärt. Eine Archivamtsanwärterin habe den besagten Brief geschrieben und mich irrtümlich "befördert". So schnell geht das - die beste Voraussetzung für ein Rätselraten der nächsten Historikergeneration, die auf diesen Brief stößt.

In der Vossischen Zeitung, in der ich wieder ein wenig blätterte, gibt es neben für mich wichtigen Informationen immer wieder amüsante Anzeigen wie diese, die am 6. März und noch einmal am 7. März 1858 abgedruckt war:
Die Wasserleitung ist in allen Theilen Berlins gefroren, die theuere Einrichtung daher umsonst gemacht. Bei plötzlichem Thauwetter werden die meisten Leitungsröhren in den Straßen platzen und Keller mit Wasser überschwemmen, die dünnen Röhren aber, welche in den Häusern liegen, werden unendlichen Schaden thun.
Auch Hochwasser an der Oder oder in anderen Gebieten des heutigen Ostdeutschlands wurden regelmäßig vermeldet.

Am wichtigsten aber ist die Neuigkeit, die ich gestern im Zentrum für Berlinstudien entdeckte. Für die Topographie des jüdischen Berlins, an der ich arbeite, untersuche ich auch die Entwicklung der 1869 gegründeten orthodoxen Abspaltungsgemeinde Adass Jisroel. Sie bezog 1873 ihr erstes festes Quartier in der Gipsstraße, soviel wußte ich bereits. Gestern nun las ich, daß die Gemeinde zunächst in der Neuen Friedrichstraße 35, im Lokal der Gesellschaft der Freunde, tagte ! Wenn man bedenkt, wieviel böses Blut es damals zwischen den verschiedenen Flügeln des Berliner Judentums gab, erstaunt es doch, daß Adass Jisroel zur Gesellschaft der Freunde zog, zu einem Verein, der den Orthodoxen wie der Hort des Bösen erschienen sein müßte. Der Gemeinde Adass Jisroel wurde aber bald wieder gekündigt, weil ihr Rabbiner, Esriel Hildesheimer, in seinen Reden zu stark gegen die Jüdische Gemeinde von Berlin wetterte. Diese Informationen entstammen einer Jubiläumsschrift der Adass Jisroel. Als nächstes müßte ich noch einmal die Aktenbestände der Gemeinde, soweit sie überliefert sind, durchsehen. Nach Jerusalem werde ich deshalb nicht fahren, aber vielleicht findet sich etwas im Centrum Judaicum.

Posted by Sebastian @ 09:35 AM CET

Wednesday, September 4, 2002

Soeben wurde ich darauf aufmerksam gemacht, daß das GStA PK endlich und als letztes der großen Berliner Archive online ist. Es lohnt sich, dort ein wenig herumzublättern.

Posted by Sebastian @ 05:52 PM CET

Die Homepage des Sonderarchivs ist um Erläuterungen zu 11 weiteren Fonds vergrößert worden. Damit werden inzwischen bereits 57 Fonds durch Detailverzeichnisse oder andere Informationen näher beleuchtet.

Posted by Sebastian @ 02:48 PM CET

Die Reaktionen, die meine Homepages hervorrufen, verblüffen mich immer wieder. Soeben erhielt ich einen Anruf eines älteren Herrn. Er versucht, die verwickelte Geschichte seiner Abstammung aufzuklären und hatte sich zu diesem Zweck auch an das Bundesarchiv Berlin gewandt. Von diesem erhielt er eine schriftliche Antwort, in der er auf das Sonderarchiv Moskau hingewiesen wurde. Aus dem Schreiben zitierte er mir am Telephon: Eine offizielle Adresse [des Sonderarchivs; SP] konnte nicht ermittelt werden. Das ZDM MO [Abkürzung des "Sonderarchivs" aus der Zeit, als sein offizieller Name "Zentrum für die Aufbewahrung historisch-dokumentarischer Sammlungen" lautete; SP] gibt Herrn Sebastian Panwitz als offizielle Kontaktperson in Deutschland an. Was sagt man dazu ?! Hat das Sonderarchiv mich tatsächlich zum offiziellen Vertreter in Deutschland ernannt, ohne mich zu informieren ? Oder hat das Bundesarchiv schlichtweg ignoriert, daß es sich bei meiner Homepage um eine inoffizielle Seite handelt ? Ich überlege, ob ich einmal im Bundesarchiv nachfragen sollte.
Ebenfalls wegen des Sonderarchivs rief mich vorgestern Nina Gladitz an. Sie ist deutsche Filmemacherin, die sich unter anderem mit der Person Leni Riefenstahls beschäftigt. Ein Film zu diesem Thema aus dem Jahr 1982 brachte ihr eine Klage der NS-Regisseurin ein. Jetzt arbeitet Frau Gladitz wieder an dem Thema und hofft, bei ihren Recherchen auch im Sonderarchiv fündig zu werden.
Schließlich erreichte mich gestern noch eine Email aus England. Die Mitbegründerin der dortigen Mendelssohn-Gesellschaft, Geraldine Auerbach (Direktorin des Jewish Music Institute, London), fragte, ob ich ihr Näheres zu "meiner" Mendelssohn-Gesellschaft berichten könne. Die Anfrage ging an mich und nicht an den Vereinsvorstand, weil ich auf meiner Homepage ein paar Seiten auf Englisch geschrieben habe, während sich die Homepage der Berliner Mendelssohn-Gesellschaft bisher ausschließlich an deutschsprachige Leser wendet. In Erwiderung auf meine Antwort erhielt ich heute eine zweite Email, in der mir Frau Auerbach erzählte, daß die britische Mendelssohn-Gesellschaft sich auf die Erforschung und Pflege des Werks der Musiker Felix und Fanny konzentrieren und das seit 1848 in London bestehende Mendelssohn-Stipendium für junge Komponisten unterstützen will. Kurt Masur hat sich bereiterklärt, die Präsidentschaft der Gesellschaft zu übernehmen. Schließlich erhielt ich noch eine Einladung für die Gründungsveranstaltung am 24. Oktober in der Royal Academy of Music. Warum muß England nur so teuer sein ?! Wenn das Ganze in Polen stattfände, würde ich, ohne zu zögern, meine Teilnahme zusagen.

Posted by Sebastian @ 10:38 AM CET

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