Archiv für October 2002

Thursday, October 31, 2002

Es ist unglaublich, wieviel man in zwei Tagen schaffen und erleben kann. Die Kehrseite ist, daß ich weder zum Beantworten der Emails, noch zu ausführlichen Berichten hier im Forschungstagebuch komme. Es soll für heute die Notiz genügen, daß ich die vor ein paar Tagen erwähnte Dissertation zu Ende gelesen habe, zum allerletzten Mal das Grundbucharchiv in Marienfelde besuchte und mir zwei interessante Photos gelangen. Diese Photos gibt es morgen, ebenso wie einen längeren Eintrag - versprochen !

Posted by Sebastian @ 10:15 PM CET

Tuesday, October 29, 2002

Das Demps-Kolloquium hat in diesem Semester eine ganz eigene Dynamik. Das liegt nicht nur daran, daß plötzlich 15-20 Studenten des Aufbaustudiengangs Berlin-Brandenburgische Kulturlandschaft daran teilnehmen. Es hat auch mit den wechselnden Räumlichkeiten zu tun. Ursprünglich war für die Veranstaltung ein Raum am Hausvogteiplatz vorgesehen. Stattdessen mußten wir in der ersten Woche ein Notquartier im 3. Stock des Westflügels des Hauptgebäudes beziehen. In der folgenden Woche war der sogenannte Kleine Senatssaal im Ostflügel des Hauptgebäudes an der Reihe. Von heute an sollte das Kolloquium im Emil-Fischer-Saal, einem Chemie-Hörsaal nahe der Invalidenstraße tagen, was aber wiederum nicht möglich war, weshalb es auf die andere Straßenseite zur Landwirtschaft zog. Und niemand weiß, wohin die Reise in der kommenden Woche führen wird. Geschichte am Objekt, leicht kafkaesk, organisiert durch die HU-Raumverwaltung.

Posted by Sebastian @ 09:15 PM CET

Monday, October 28, 2002

Den ganzen Weg von Westend bis Schöneweide bin ich soeben in einer unbeleuchteten S-Bahn gefahren. Es war wunderbar, und ich kann nur hoffen, daß solche kleinen Probleme desöfteren auftreten werden.

Posted by Sebastian @ 08:18 PM CET

Nicht viel Neues gibt es von den letzten Tagen zu berichten. Ich hatte unglaublich viele Emails zu beantworten und las weiter in der bereits erwähnten Dissertation. Zudem traf ich am Sonntag die ehemalige Pionierleiterin meiner alten Schule in der S-Bahn. Das kommt davon, wenn man seit 25 Jahren an einem Ort wohnt. Vielleicht meldet sie sich noch einmal - ich hoffe, daß ich dann mehr über die Hintergründe des Schulalltags erfahre. Und über die Rolle eines Pionierleiters im Allgemeinen und im Speziellen, worüber ich bisher fast gar nichts weiß.
Vom Freitag ist nachzutragen, daß ich im Landesarchiv auf den Bestand F Rep. 120 "Jüdische Personenregister" gestoßen bin, der ein umfangreiches "Verzeichnis der am 24. März 1812 auf Grund einer legalen Erlaubnis in Berlin wohnhaften jüdischen Familien" enthält. Es ist fast peinlich, daß ich ihn erst jetzt entdeckt habe. Aber wie dem auch sei, nach meinem Vortrag am 11.11. vor dem GraKo werde ich mich darum kümmern.
Ich hoffe sehr, daß es bald wieder interessantere Nachrichten zu vermelden gibt !

Posted by Sebastian @ 02:34 PM CET

Friday, October 25, 2002

Heute las ich die Jugenderinnerungen eines alten Berliners von Felix Eberty, dessen Vater Hermann Eberty Mitglied der Gesellschaft der Freunde war, zuende. Eberty junior, dessen Memoiren sich ansonsten sehr kurzweilig und interessant lesen, schaffte es doch tatsächlich, sein Leben bis zum Ende der Referendariatszeit Revue passieren zu lassen, ohne auch nur ein einziges Mal seine jüdischer Abstammung und Prägung in Kindheit und Jugend direkt oder indirekt zu erwähnen. Sein Vater, der genannte Hermann Eberty, war ein Schwager Jacob Meyerbeers, und die Beers tauchen einige Male im Buch auf. Aber auch bei ihnen gibt es nicht die leiseste Andeutung ihrer Zugehörigkeit zum Judentum. Lediglich bei der Charakterisierung des Juristen Eduard Gans, dessen Vorlesungen Felix Eberty während seines Studiums belegte, wird dessen Übertritt zum Christentum kurz gestreift, aber in einer Art, die ein vollkommenes Unbeteiligtsein des Autors suggeriert.
Ich würde keinen Menschen wegen seines Glaubenswechsels kritisieren oder gar verurteilen - solch ein Schritt steht jedermann frei, religiöse Zugehörigkeit ist Privatsache, die man mit sich selbst ausmachen muß. Aber bei einem solchen Leugnen der eigenen Vergangenheit wird mir doch unbehaglich zumute.

Posted by Sebastian @ 03:22 PM CET

Thursday, October 24, 2002

Gestern wurde mir bei der Lektüre einer soeben publizierten Dissertation klar, daß ich meine Arbeit besser strukturieren muß. Aber zunächst lese ich für einen Freund seine Dissertation zur Korrektur. Das dauert ein Weilchen, aber man lernt immer etwas dabei. Thema: Ostdeutsche Pfarrer in den späten 1940er und den 1950er Jahren.

Posted by Sebastian @ 06:05 PM CET

Wednesday, October 23, 2002

Die Besucherzahl des Forschungstagebuchs hat die Zehnergrenze wieder überschritten. Damit liegt es deutlich vor der FDP und nähert sich erneut der Marke 18. Welche Neuigkeiten gibt es sonst noch ? Bei meinem Besuch im Archiv des Centrum Judaicum erfuhr ich, daß die im selben Gebäude untergebrachte und im Januar geschlossene, gut ausgestattete Zweigbibliothek der Jüdischen Gemeinde im September wiedereröffnet wurde. Allerdings ist sie nicht mehr montags und donnerstags, sondern nur noch montags nutzbar.
Im Archiv gibt es auch eine Veränderung, die Historikern mehr Bewegung verschafft. Die dortigen Bestände sind weitestgehend verfilmt, so daß man fast ausschließlich an Readerprintern arbeitet und dabei recht einfach Kopien anfertigen kann (Preis: bis 2001 50 Pfenning, jetzt 30 Cent). Diese Kopien kann man aber nicht mehr direkt bei der Archivarin bezahlen. Vielmehr bekommt man eine Art Rechnung, geht damit zum Verkaufsstand des Centrums direkt am Eingang (zwei Etagen tiefer), bezahlt und läßt sich eine Quittung geben und läuft oder fährt wieder nach oben, um die Kopien abzuholen. Sehr zuvorkommend, wie auf diese Weise für die Gesundheit der Forscher Sorge getragen wird. Man müßte nur noch den Fahrstuhl außer Betrieb setzen, damit die Kleintherapie auch richtig Wirkung zeigt.

Posted by Sebastian @ 06:34 AM CET

Tuesday, October 22, 2002

Gestern wurde ich zu recht darauf aufmerksam gemacht, daß ich hier schon drei Tage schweige. Es schloß sich die Frage an, ob ich denn nach Möllemanns Rücktritt auch mein Projekt 18 aufgegeben hätte. Nun, die Zugriffszahlen für das Forschungstagebuch haben sich wieder deutlich von dieser Marke entfernt, aber an sich lag mein wochenendliches Schweigen in meiner Abwesenheit begründet. Und gestern kam ich einfach viel zu spät nach Hause. Ich weiß nicht, ob es das Los der meisten Doktoranden ist, aber an den nächsten 12 Tagen sind bei mir schon 10 Abende verplant.
Nichtsdestotrotz hoffe ich natürlich, hier regelmäßig schreiben zu können, wenn die Einträge auch verspätet kommen sollten.
Gestern erhielt ich von einem Kollegen einen Artikel über Das Clubhaus des "Geselligen Vereins der Gesellschaft der Freunde", Potsdamer Str. 9, publiziert in der Deutschen Bauzeitung 1888. Nun interessiert mich dieses Gebäude nur am Rande, der Vollständigkeit halber, da sich der Gesellige Verein um 1880 vollständig von der Gesellschaft der Freunde trennte. Es wird aber in der Einleitung des Artikels erwähnt, daß das vorherige gemeinsame Haus der beiden Vereine in der Neuen Friedrichstraße 35 1858-60 durch Hitzig und Schwatlo neu errichtet worden sei. Das war mir vollkommen neu. Ich war immer davon ausgegangen, daß die Neue Friedrichstraße 35 nach ihrem Erwerb durch die Vereine 1820/24 nur umgebaut, nicht aber abgerissen und neu erbaut worden sei. Nun werde ich bei Gelegenheit zu recherchieren haben, ob sich 1860 irgendwo eine Notiz zur Eröffnung des Neubaus findet.

Posted by Sebastian @ 07:49 AM CET

Friday, October 18, 2002

Ich habe mich für einen Zwischenweg entschieden: Um Avraham Barkais Buch nicht zu kaufen und es dennoch in Ruhe studieren zu können, habe ich H-Soz-Kult angeboten, es zu rezensieren. Etwas unsicher fühle ich mich dabei schon, denn es wäre die erste Rezension in meinem Leben, die ich schreiben würde. Aber irgendwann muß ich sowieso damit beginnen, und gibt es einen besseren Einstieg als ein Buch über den Centralverein ?

Posted by Sebastian @ 02:58 PM CET

Thursday, October 17, 2002

Neuestes aus dem Grundbucharchiv: Nach dem Umzug wird dort nur noch ein Arbeitsplatz zur Verfügung stehen. Das bedeutet, daß man sich für Wochen, wenn nicht für Monate im voraus anmelden muß, um einen Termin zu bekommen.
Aber es lohnt sich. Vorige Woche fand ich in einer Akte das Testament Bella Salomons, geb. Itzig, Schwiegermutter Abraham Mendelssohn Bartholdys. Dieses Testament war zwei Forschern, von denen sich die eine mit den Itzigs, der andere mit Abraham Mendelssohn Bartholdy beschäftigt, noch vollkommen unbekannt - eine echte Entdeckung.
Um eben solch eine Entdeckung dürfte es sich bei den Testamenten Joseph Mendelssohns und Alexander Mendelssohns handeln. Vielleicht sogar spektakulär ist der Fund des Vertrages, den Robert von Mendelssohn 1939 mit dem Deutschen Reich zum Verkauf der Mendelssohn-Häuser in der Jägerstraße abschloß. Leider konnte ich letzteren noch nicht ausführlich studieren, weil ich erst kurz vor der Schließzeit auf ihn stieß, aber in der kommenden Woche habe ich wieder einen Termin !

Posted by Sebastian @ 08:11 PM CET

Vermutlich muß ich mich an neue Größenordnungen gewöhnen. Gestern, als ich nicht einmal dazu kam, hier etwas niederzuschreiben, bekam das Forschungstagebuch fünfzehnmal Besuch ! Es sieht ganz so aus, als werde ich mit dem "Projekt 18" eher erfolgreich sein als jemand anderes.
Heute nachmittag gibt es einen längeren Eintrag. Für jetzt nur so viel: Die Wehrmachtsauskunftstelle ist im Internet. Und: Avraham Barkais neues Buch über den Centralverein liegt jetzt auch in Deutsch vor. Ich bin mir noch nicht ganz schlüssig: Soll ich es mir kaufen ? Für 40 Euro ?

Posted by Sebastian @ 07:29 AM CET

Tuesday, October 15, 2002

Es gibt eine neue Spur bei meiner Suche nach den Akten der Allgemeinen Treuhand-Organisation (ATO), die 1956 zur Nachfolgeorganisation der Gesellschaft der Freunde erklärt worden war. Nicht zum ersten Mal hatte ich mich mit diesem Problem an die Wiedergutmachungsämter gewandt, und auch diesmal konnte mir die ausgesprochen freundliche und hilfsbereite Mitarbeiterin weiterhelfen. Es stellte sich heraus, daß die ATO vor Gericht von einem Treuhänder vertreten wurde, und zumindest in einigen Fällen war das der - Präsident des Landesfinanzamtes (LFA) Berlin, also der Nachfolger des Oberfinanzpräsidenten Berlin-Brandenburg ! Wenn man bedenkt, daß der Berliner Senator für Finanzen damit dem Berliner LFA-Präsidenten vor Gericht gegenüberstand, so ist das schon eine merkwürdige Konstellation. Wie dem auch sei: Jetzt steht natürlich eine Anfrage an das LFA auf der Tagesordnung. Mal sehen, wie weit sie mich bringt. Oder ob diese Unterlagen schon im Landesarchiv liegen ? Schließlich gab es das Landesfinanzamt nur von 1948 bis 1966, dann trat die OFD an seine Stelle. Dennoch bleibt es unwahrscheinlich, da die Finanzverwaltung nicht sehr abgabefreudig ist. Aber ich werde auch am Eichborndamm nachfragen.

Posted by Sebastian @ 02:37 PM CET

Monday, October 14, 2002

Das Geheimnis um die Adreßbücher der ZLB im Netz ist gelöst. Die jetzt online verfügbare Version ist noch unvollendet und inoffiziell, deshalb sind die Adreßbücher offiziell weiterhin "nicht verfügbar". Allerdings sollten wir uns darüber freuen, denn nach der endgültigen Fertigstellung dieses Angebots, frühestens 2003, sollen für die Nutzung Gebühren erhoben werden. Die können sich dann vermutlich nur noch Bibliotheken und Forschungsinstitutionen leisten. Wir werden uns wieder selbst in die Bibliotheken begeben müssen.

Posted by Sebastian @ 02:18 PM CET

Sunday, October 13, 2002

Die Berliner Adreßbücher sind wieder online ! Markus Röhling schickte mir freundlicherweise den Link zu. Eigenartig ist nur, daß auf der übergeordneten Seite der ZLB verzeichnet steht, daß die Adreßbücher im Internet weiterhin nicht erreichbar seien. Sehr ominös. Vermutlich soll niemand diesen Service nutzen.
Wie dem auch sei, ich habe ihn jedenfalls gleich genutzt, um den Wohnort Jacob Herz Beers ab 1820 zu ermitteln. Das merkwürdige Resultat: Beer hatte laut Adreßbuch nur seine Zuckersiederei in der Heiligegeiststraße und seine Villa am Tiergarten. Beide kommen für den Beerschen Tempel als Ausweichsynagoge nicht in Frage. Also habe ich noch einmal Geigers Geschichte der Juden in Berlin durchforscht und darin die explizite Angabe (ohne Quellennachweis) gefunden, daß Beer 1815 (nicht 1819, wie ich dachte) seine Privatsynagoge in der Spandauer Straße 72 einrichtete. 1817 wurden alle Privatsynagogen verboten, woraufhin die Beersche von der Leitung der Jüdischen Gemeinde zum Ausweichquartier für die Hauptsynagoge bestimmt wurde. Mit der Wiedereinweihung der Synagoge in der Heidereutergasse 1823 wurde der Beersche Tempel dann endgültig geschlossen.
So weit Geiger. Wie verträgt sich das mit der Tatsache, daß Beer sein Haus Spandauer Straße 72 1819 verkaufte ? Nutzte die Gemeinde den Raum trotz des Besitzerwechsels weiter ? Wenn ja, so kann man ihn aber kaum noch den Beerschen Tempel nennen...

Posted by Sebastian @ 11:33 AM CET

Saturday, October 12, 2002

Wenn nicht Bautzen am Anfang dieses Artikels gestanden hätte, wäre ich nie auf die Idee gekommen, ihn zu lesen. Aber so möchte ich ihn meinen Besuchern nicht vorenthalten.
Vossische Zeitung, 28.05.1856, S. 8.
Vor einigen Jahren zog eine bedeutende Anzahl Bewohner hiesiger Gegend unter Anführung eines gewissen I. Zwahr, welcher für das tausendjährige Reich schwärmte, nach Australien. Dort wurde ein großer Theil der mit ihm hinübergelangten Auswanderer dahin disponirt, eine Kolonie zu gründen, welcher später der Name „Israel von Eben-Ezer“ beigelegt und woselbst eine Kirchgemeinde mit eigenen, besonderen Satzungen errichtet wurde. Zwahr, welcher unter dem Titel eines Hohenpriesters das dasige Kirchenwesen leitete, hatte endlich auch die Beschneidung eingeführt und es scheint, als wenn sich seine Gemeinde dieser Einrichtung ohne sonderliches Widerstreben unterworden habe, da von dem Treiben derselben Nichts zur Oeffentlichkeit gelangte. Endlich hat dasselbe nach einem aus Adelaide hierher gesandten Schreiben vom 13. Februar d. J. dadurch seine Endschaft erreicht, daß sich ein Gemeindemitglied Namens Schmidt und aus Kortnitz bei Weißenberg gebürtig, der ihm zugedachten israelitischen Circumcission widersetzte und deswegen von dem Gemeindeoberrichter zum Tode durch Steinigung verurtheilt wurde. Es gelang ihm aber nach Adelaide zu entfliehen und dort die ganze Angelegenheit vor das Landesgericht zu bringen, welches hierauf den Hohenpriester und Oberrichter von Eben-Ezer nach Adelaide bringen ließ und den Erstern zu einer Strafe von 1500 Pfd. St. oder 20 Jahre Strafarbeit und Letztern zu einer Strafe von 2000 Pfd. St. oder 25 Jahre Strafarbeit verurtheilte. Die Gemeine von Eben-Ezer giebt sich nun alle Mühe, dieses Geld zusammenzubringen. Sie hat daher sämmtliche Grundstücke versetzt, bis Abgang des erwähnten Schreibens aber erst 2000 Pfd. St. zusammengebracht und es war daher ungewiß, ob nicht wenigstens einer der Verurtheilten würde seine Strafe antreten müssen.
People are strange, aren't they ?

Posted by Sebastian @ 01:41 PM CET

Friday, October 11, 2002

Heute wollte ich schnell eine biographische Datei zu Herrmann Jacobson, Mitglied der Gesellschaft der Freunde anlegen, der Kaufmann war, nach 1848 zur freikirchlichen christkatholischen Gemeinde in Berlin übertrat, dort als Prediger wirkte und entsprechend kritisch von Aron Hirsch Heymann in seinen Lebenserinnerungen erwähnt wird. Ich wußte, daß Jacobsons Vater der bekannte Israel Jacobson und ebenfalls Mitglied der Gesellschaft war. Aber ich wurde doch von der Tatsache überrascht, daß auch der Bruder, der Schwiegervater sowie vier Schwäger Herrmann Jacobsons der Gesellschaft angehörten. Unter letzteren befanden sich der ebenfalls bekannte jüdische Offizier Meno Burg und dessen Bruder. Acht Freunde auf einem Haufen - nicht schlecht, nicht wahr ?

Posted by Sebastian @ 04:02 PM CET

Heute erhielt ich eine Email von Adab, in der ich darauf hingewiesen werde, daß ich Gefahr laufe, für eventuell unlizensiert auf meinen Homepages genutzte Landkarten und Stadtpläne Abmahn- und weitere Strafgebühren von mehreren hundert Euro zu zahlen. Da gleichzeitig die Naumann-Stiftung die Bitte an ihre Stipendiaten verschickte, bei allen Aktivitäten keine unlizensierten Kartenausschnitte zu verwenden, und darauf verwies, daß ein solcher Fall für die Stiftung schon einmal ausgesprochen teuer geworden ist, habe ich heute den Moskauer Übersichtsplan, der einer Falk-Karte entstammte, aus meiner Sonderarchivseite genommen. So etwas ist schon sehr ärgerlich. Befindet sich unter meinen Lesern womöglich ein zeichnerisches Talent, das diese Karte für die Homepage nachgestalten kann ? Oder kennt jemand eine Firma, die Stadtpläne und Landkarten für gemeinnützige Projekte kostenlos zur Verfügung stellt ?

Posted by Sebastian @ 12:20 PM CET

Thursday, October 10, 2002

Nanu, was ist geschehen ? Gestern hatte dieses Forschungstagebuch nicht 3, nicht 7, nicht 10, sondern 13 Besucher ! Ich kann mich gar nicht erinnern, wann das zum letzten Mal passierte...
Heute gibt's Neues aus dem Grundbucharchiv. In Marienfelde wird am 4. November geschlossen, am Westhafen voraussichtlich am 25. November, unweit der Zeitungsabteilung der Staatsbibliothek, wiedereröffnet. Bei der Gelegenheit dieses Umzugs werden folgende Bestände an das Landesarchiv abgegeben: Brandenburger Torbezirk, Potsdamer Torbezirk, Kottbusser Torbezirk und Moabit. Hinzu kommen einige kleine, Westberliner Gebiet betreffende Bestände und - der Apothekerbezirk ! Wenn der verehrte Leser jetzt verblüfft ist, kann ich sagen: Ich war es auch. Hat irgend jemand jemals vom Apothekerbezirk gehört ?
Ich stieß ganz unvermutet auf dieses Phänomen. Eigentlich wollte ich nur die Akte zur Oranienburger Straße 37 bestellen, worauf mir die Mitarbeiterin des Archivs erklärte, dieses Grundstück gehöre zum Apothekerbezirk, und der werde an das Landesarchiv abgegeben. Es stellte sich heraus, daß auf dem Grundstück ein Apothekerprivileg lag, und offensichtlich wurden alle Häuser, auf die das zutraf, in einem eigenen Grundbuchbezirk geführt. Warum ausgerechnet die Apotheken ? Warum nicht die Buchdruckereien oder die Freihäuser ?
Daneben entdeckte ich, daß sich der Beersche Tempel, der 1819-23 erster Versuchsort eines reformierten jüdischen Gottesdienstes in Berlin und gleichzeitig Ausweichquartier für die zu rekonstruierende Hauptsynagoge in der Heidereutergasse war, höchstwahrscheinlich gar nicht im Beerschen Haus Spandauer Straße 72 befand, denn Jakob Herz Beer verkaufte dieses Haus 1819. Seine neue Adresse ist in der Grundbuchakte natürlich nicht vermerkt. Hat jemand eine Idee ? Ärgerlich, daß die Berliner Adreßbücher nicht mehr im Netz stehen !

Posted by Sebastian @ 04:17 PM CET

Wednesday, October 9, 2002

Es gibt noch gute Nachrichten: Entgegen dem hier am vergangenen Sonntag weitergegebenen Gerücht erfuhr ich heute aus zuverlässiger Quelle, daß die demnächst an das Landesarchiv abgegebenen Grundbuchakten ohne Verzögerung den Nutzern zur Verfügung gestellt werden sollen.

Posted by Sebastian @ 05:06 PM CET

Tuesday, October 8, 2002

In der Berliner Zeitung findet sich heute eine Rezension H. D. Kittsteiners zu Theodore Ziolkowskis Berlin. Aufstieg einer Kulturmetropole um 1810. Diesem Artikel nach zu urteilen, kann man sich die Lektüre ersparen, es sei denn, man möchte zum wiederholten Male all die bekannten Fakten über Brentano, Arnim, Kleist, die Theater, die Tischgesellschaft und die Salons, Königin Luise und Prinz Louis Ferdinand ausgebreitet bekommen. Es ist ebenso beeindruckend wie ärgerlich, daß hinter diesem Selbstläuferdiskurs, der nun schon über einhundert Jahre andauert, die übrige Stadt - Verwaltung, Bürgertum und Unterschichten, Stadtentwicklung, autonome Gruppen wie Juden und Hugenotten, Wirtschaft, Naturwissenschaft und technischer Fortschritt - vollkommen ausgeblendet wird oder bestenfalls als Staffage dient.

Posted by Sebastian @ 10:16 AM CET

Monday, October 7, 2002

In Canada (und vermutlich nicht nur dort) gibt man während des Hochschulstudiums seine Hausarbeiten nicht einfach ab. Vielmehr reicht man sie zunächst bei Turnitin.com ein. Dort wird geprüft, ob es sich um ein Plagiat handelt, und erst bei negativem Befund beurteilt der Dozent die fachliche Seite. Lange wird es bei uns wohl auch nicht mehr dauern, bis solche Regeln eingeführt werden, vermute ich. Es stellt sich nur die Frage: Zahlt das die Universität, oder werden die Studenten dafür zur Kasse gebeten ?

Posted by Sebastian @ 08:31 PM CET

Sunday, October 6, 2002

Kennt einer meiner geneigten Leser einen Weg, um in WinWord zwei Zeichen auf einer Position anzuzeigen, also nicht neben-, sondern übereinander ?

Posted by Sebastian @ 06:05 PM CET

Wie es aussieht, bin ich ab morgen wieder einsatzfähig. Hier noch ein Nachtrag zur vergangenen Woche. Bei einem Telephonat mit der Zentralarchiv für geschlossene Grundbücher (ZArchG) erfuhr ich, das ebendieses Archiv im November von Marienfelde zum Westhafen umziehen wird. Nicht daß ich dem alten Standort nachtrauern würde - er lag allzu weit abseits. Aber eigenartig ist es doch, wenn ein Standort vollständig von der Landkarte verschwindet.
Im Zusammenhang mit dem Umzug hat das ZArchG einen Teilbestand, die Grundbuchakten des Brandenburger Torbezirks an das Landesarchiv angegeben. Nach ersten Gerüchten, die ich im Landesarchiv gehört habe, sollen die Akten dort bis auf weiteres nicht der Forschung zur Verfügung stehen, weil es an Personal mangelt und ein Ansturm von Anfragen zu diesem Bestand befürchtet wird. Aber ich werde bei nächster Gelegenheit versuchen, Genaueres zu erfahren.

Posted by Sebastian @ 09:00 AM CET

Saturday, October 5, 2002

Nun hat sich die durchschnittliche Besucherzahl dieses Tagebuchs von 3 auf 6 pro Tag gesteigert, und gerade jetzt liege ich im Bett und habe keine Neuigkeiten zu berichten.
But there is one thing I'd love to know. Who is this visitor from the time zone GMT -5 h ? This can be Toronto, Quebec, Detroit, New York, Miami, Havanna, Bogota or any other place at this stripe of the globe ... You, out there, thank-you for dropping in every second day. Please, just tell where you live. The smallest note at the comments will do !

Posted by Sebastian @ 09:08 AM CET

Thursday, October 3, 2002

Während der letzten zwei Tagekam ich krankheitsbedingt nicht zum Arbeiten. Aber eine Information vom vergangenen Freitag kann ich jetzt nachholen. Ich fragte bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), die im Gebäude der Berliner Handels-Gesellschaft am Gendarmenmarkt arbeitet, nach, ob es möglich wäre, mit einer Gruppe Interessierter das Gebäude zu besichtigen. Dieses Anliegen wurde von der Pförtnerin kategorisch abgelehnt. Es gebe desöfteren solche Anfragen, das Haus sei aber nie zugänglich - auch nicht am Tag des offenen Denkmals, auch nicht, wenn die Anfrage im Rahmen einer Universitätslehrveranstaltung gestellt werde. Ist das nicht ärgerlich ? Sollte also einer meiner verehrten Leser Kontakte zur Leitung der KfW haben, so könnte man die hohen Herren vielleicht umstimmen.
Allerdings fand ich auf der Homepage die Information, daß die KfW in ihrer Berliner Niederlassung ihr Historisches Archiv untergebracht hat. Vielleicht wäre das ja eine Einstiegsmöglichkeit...

Abgesehen davon habe ich heute voller Überraschung entdeckt, daß Arthur Hobrecht seit 1878 Mitglied der Gesellschaft der Freunde war ! Das ist wirklich eine Überraschung, weil ansonsten die ersten Mitglieder ohne jüdischen Hintergrund erst in den 1920er Jahren eintraten. So gehörte der Gesellschaft also schon zu tiefsten Kaiserzeiten ein Preußischer Finanzminister und ehemaliger Oberbürgermeister Berlins an - unglaublich.

Posted by Sebastian @ 08:48 PM CET

Tuesday, October 1, 2002

Man beachte das neue Bild oben rechts. Es ist gar nicht so einfach, ein Photo zu machen, das auch noch in dieser Verkleinerung aussagekräftig ist. Aber wozu hat man den Flugplatz vor der Tür, der solche Motive gleich im Dutzend liefert.

Posted by Sebastian @ 09:47 PM CET

Heute war es mir vergönnt, einer Premiere beizuwohnen: dem ersten Feueralarm im neuen Landesarchiv. Glücklicherweise hatte ich meinen Photoapparat bei der Hand, so daß meine Leserschaft auch an diesem außergewöhnlichen Ereignis partizipieren kann.

Bei dieser Gelegenheit lief auch der Chef des Archivs, Jürgen Wetzel, frei herum und ließ sich ablichten. Für alle, die ihn noch nicht kennen, kommt hier sein Portrait.

Posted by Sebastian @ 09:16 PM CET

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