Archiv für November 2003

Sunday, November 30, 2003

Heute finden in der Jüdischen Gemeinde die Wiederholungswahlen zur Repräsentantenversammlung statt. Eigenartig, daß nur die Berliner Zeitung einen Artikel dazu gebracht hat. Morgen sollten erste Ergebnisse vorliegen. Wie es aussieht, gab es im Vorfeld beim Briefwählen schon wieder kleine Unregelmäßigkeiten. Es ist damit nicht auszuschließen, daß irgendwelche erfolglosen Kandidaten nach der Wahl erneut versuchen werden, daß Ergebnis anzufechten. Hoffentlich diesmal vergeblich.

Posted by Sebastian @ 08:17 AM CET

Friday, November 28, 2003

Heute entdeckte ich, daß der älteste Sohn des Freunds, Bankiers, Millionärs und "ausgezeichneten Seglers" Barthold Arons, Bruno, 1898 seinen Nachnamen änderte und sich von da an Bruno Ahrends nannte. Dieser Name wiederum klang mir seltsam vertraut. Zu Recht, denn Bruno Ahrends war Architekt und baute nicht nur in Buch, Reinickendorf und Prenzlauer Berg, sondern auch - jawohl ! - in Johannisthal ! Er lieferte die Pläne für die Kleinhaussiedlung am Breiten Fenn, die 1919/1920 gebaut und zu späten DDR-Zeiten aus mir unerfindlichen Gründen Negerviertel genannt wurde.

Posted by Sebastian @ 03:45 PM CET

Eigenartig: Je länger ich schweige, um so häufiger werden die Besuche bei meinem Forschungstagebuch. Vielleicht ist dies ja der richtige Weg, um mit meinem Projekt 18 (Langzeitleser erinnern sich) erfolgreich zu werden ?
Praktisch schreibe ich nichts, weil Datenbankarbeit zwar aufwendig, aber arm an mitteilenswerten Einzelheiten ist. Ich bin immer wieder erstaunt, wie unglaublich viele "Bankgeschäfte" es in Berlin gab, ich kann mir erstmals etwas genauer vorstellen, was sich hinter dem "Textilzentrum" am Hausvogteiplatz verbirgt, ich amüsiere mich, daß sich die Getreidehändler tatsächlich in der Nähe der nördlichen Museumsinsel ansiedeln. Und ich registriere, daß vermutlich auch 1912 die Mehrzahl der Mitglieder der Gesellschaft noch der Jüdischen Gemeinde angehörte. Mit der Durcharbeitung des Adreßbuches bin ich, was die Prüfung der Adressen im Mitgliederverzeichnis der Gesellschaft angeht, fast fertig. Dann folgen das Millionärshandbuch (noch unbearbeitet) und das Wählerverzeichnis der Jüdischen Gemeinde (erst begonnen). Hoffentlich kann ich mein Tempo etwas erhöhen, sonst bin ich Weihnachten noch nicht fertig !

Posted by Sebastian @ 07:15 AM CET

Tuesday, November 25, 2003

Die Dezember-Ausgabe der Jewrejskaja Gasjeta ist erschienen. Warum so früh ? mag man sich fragen. Nun, ein wichtiger Grund dürfte die am 30. November stattfindende Wiederholungswahl in der Jüdischen Gemeinde sein. Dazu gibt es wieder einige Seiten ausführlicher Informationen, unter anderem ein Interview mit Alexander Brenner. Zudem eine ganzseitige Anzeige der Wahlgruppe Kadima. Aus der Sicht eines Historikers ist es schon amüsant, daß die vermutlich erfolgreichste Wahlgruppe sich den Titel des alten SPD-Zentralorgans Vorwärts (= Kadima) gewählt hat.
Aber spannend ist eine andere Entwicklung. Die Jewrejskaja hat schon seit einigen Ausgaben immer deutlicher für Kadima Partei ergriffen. Nun hat auch die Gegenseite ihr russischsprachiges Forum: Das Russkij Berlin von Dmitri Feldman (bisher Mitglied der RV) greift Kadima und den Spitzenkandidaten Meyer offen an, wurde daraufhin von Meyer verklagt und hat einen ersten Prozeß verloren. Worüber wiederum die Jewrejskaja berichtet. Wenn das so weitergeht, schließen sich die Meyer-Gegner bald noch in einem gemeinsamen Block zusammen und es kommt zu einem Zweiparteiensystem. Allerdings würde ein Anti-Meyer-Block nur durch eben diese Gegnerschaft zusammengehalten und bei der ersten Belastungsprobe wieder zerbrechen.

Posted by Sebastian @ 08:52 AM CET

Saturday, November 22, 2003

Gestern schaute jemand von der Max-Planck-Gesellschaft bei meinem Forschungstagebuch vorbei. Ich werde das als Hohen Besuch einstufen :)
Außerdem fand gestern die Jahresversammlung der Mendelssohn-Gesellschaft statt, auf der ich erfuhr, daß sich eine Bestandsübersicht zum Mendelssohn-Archiv in der Staatsbibliothek im Druck befindet. Anfang nächsten Jahres soll dann noch ein Mendelssohn-Stammbaum folgen. Der letzte Stammbaum wurde 1983 im Rahmen eines Ausstellungskatalogs publiziert und ist an etlichen Stellen bereits deutlich überholt.

Für alle Doktoranden im Bereich Deutsch-jüdische Geschichte: Wer eine Abschlußförderung sucht, kann sich an die schweizer Stiftung Dialogik wenden.

Posted by Sebastian @ 11:02 AM CET

Friday, November 21, 2003

Die Staatsbibliothek behauptet in einer Presseerklärung, daß nach dem Umbau im Haus Unter den Linden mehr Arbeitsplätze als jetzt vorhanden sein werden, und erwähnt in diesem Zusammenhang einen Speziallesesaal für Zeitungen. Ist tatsächlich geplant, die Zeitungsabteilung wieder aus dem Westhafen zurückzuholen ? Oder hat sich da jemand im Hause geirrt ?

Posted by Sebastian @ 10:21 AM CET

Monday, November 17, 2003

Den heutigen Nachmittag verbrachte ich erneut auf der Grako-Konferenz, und ich habe meine Entscheidung, meine Zeit dafür zu verwenden, in keinem Augenblick bereut. Die Vorträge waren ebenso interessant wie hochkarätig. Die Veranstaltung zählt zweifellos zu den Glanzpunkten des Kollegs in den drei Jahren seines ersten Durchlaufs.

Posted by Sebastian @ 09:08 PM CET

Gestern begann die viertägige Doktorandenkonferenz des GraKos mit einem Einführungsvortrag des Orts-Historikers Karl Schlögel. Der nachdrücklichen Aufforderung an alle GraKo-Teilnehmer, daran teilzunehmen, kam auch ich nach. Bei der Gelegenheit lernte ich eine ganze Reihe von Konferenzteilnehmern kennen, traf alte Bekannte wieder, und habe den Eindruck, daß dies eine wirklich produktive und interessante Veranstaltung werden könnte. So daß ich es schon ein wenig bedauere, nur so wenig Zeit dafür zu erübrigen.

Posted by Sebastian @ 07:52 AM CET

Friday, November 14, 2003

Auch gestern hütete ich noch gewissenhaft das Bett. Heute werde ich zwar ebenfalls den Großteil des Tages zu Hause verbringen, aber doch auch schon wieder erste Aufgaben in Angriff nehmen.
Eine Idee ging mir durch den Kopf, als ich soeben die Rezension zu der mich so sehr enttäuschenden Cholera-Habilitation in H-Soz-Kult las. Ich müßte ein Forum für Berlin-Rezensionen schaffen, in dem ich mich nach Herzenslust austoben könnte, weil Berlin der erste Maßstab für alle Fragen wäre. Es gibt nur zwei Probleme: 1. die Zeit, 2. der notwendige Softwarehintergrund. So wird es wohl vorläufig bei der Idee bleiben.

Posted by Sebastian @ 08:05 AM CET

Thursday, November 13, 2003

Gestern war ich krank und lag mit über 38°C im Bett. Heute fühle ich mich auch noch recht schwach, aber die Kräfte reichen schon, um einen Blick ins Internet zu werfen und in der heutigen Ausgabe der Berliner Morgenpost einen Artikel zum Niveau des Wahlkampfes in der Jüdischen Gemeinde zu finden.

Posted by Sebastian @ 08:17 AM CET

Tuesday, November 11, 2003

Meine Datenbank wird jetzt richtiggehend komplex. Nachdem ich die Anfangsdatenbank der Mitglieder um eine neuen Datenbank für Adressen ergänzt und beide miteinander verknüpft hatte, kam nun noch eine für Firmen hinzu, die ich wiederum mit den Adressen verknüpfte. Und das ganze Konglomerat wird jetzt fleißig gefüttert. Stichjahr: 1912. Heute staunte ich, wie unglaublich viele "Bankgeschäfte" es in Berlin gab. Es ist unvorstellbar! Wovon haben die alle gelebt? Gab es da so viel Geld? Oder zirkulierte das Geld so schnell? Oder lief das alles virtuell - auf Kreditbasis? Forschungen dazu wird es kaum geben. Sie sind auch nicht zu erwarten, da die Quellenbasis inexistent sein dürfte.

Posted by Sebastian @ 08:46 PM CET

Friday, November 7, 2003

Heute arbeitete ich wieder im Bundesarchiv und konnte meine Datenerhebung dort, die im wesentlichen meiner Mitgliederdatenbank zugute kam, vorläufig abschließen.
Die Russen feiern am 7. November weiterhin den Tag der Oktoberrevolution, also auch heute. Allerdings wurde der Tag umbenannt und heißt jetzt Djenj soglasija i primirenija - Tag der Eintracht und der Versöhnung.

Posted by Sebastian @ 06:58 PM CET

Thursday, November 6, 2003

Der Plan des Demps-Colloquiums wurde leicht modifiziert. Auch der Raum hat sich geändert.

Posted by Sebastian @ 08:27 AM CET

Wednesday, November 5, 2003

Heute verbrachte ich wieder einen halben Tag im Grundbucharchiv und ermittelte dort nebenbei vier Testamente wichtiger Berliner, wie z. B. das von Veitel Heine Ephraim. Zudem konnte ich endlich herausfinden, wann die Spandauer Straße umnumeriert wurde: im November 1913.
Am Abend ging ich zu einer Naumann-Veranstaltung. Die Außenministerin Estlands, Kristiina Ojuland, sprach über liberale Vernetzung in Europa und Estlands Stellung in der EU. Die Esten sind die Meister im Pragmatismus in Europa, würde ich resümieren. Das hat sie weit gebracht und wird ihnen auch in Zukunft von Vorteil sein.

Posted by Sebastian @ 10:40 PM CET

Tuesday, November 4, 2003

Ich habe beschlossen, den Jahrgang 1912 als repräsentative Stichprobe zu wählen. Diese Wahl ist zwar ein wenig willkürlich (warum nicht 1905 ?), aber es gibt auch einiges, was dafür spricht: Der vollkommene Umbruch durch den Krieg und seine Folgen steht unmittelbar bevor. Zudem ist 1913 das Millionärs-Verzeichnis für Berlin erschienen, das ich für meine Auswertung verwenden möchte.
Eine erste Übersicht ergibt: 614 Mitglieder, darunter (einschließlich Doppelangaben)
185 Bankiers,
156 Kaufleute,
55 Juristen,
42 Fabrikanten,
28 Mediziner,
10 Architekten,
9 Unternehmer,
6 Künstler (Musiker, Maler, Schriftsteller),
5 Juweliere und
5 Verleger.
Es bleiben knapp 100 Mitglieder, deren Berufe noch nicht ermittelt sind. Aber schon jetzt ist eindeutig festzustellen, daß das Wirtschafts- und Finanzbürgertum dominiert, ergänzt um Juristen und Mediziner. Der Rest ist ausgesprochen schwach vertreten.

Posted by Sebastian @ 05:30 PM CET

Monday, November 3, 2003

Den größten Teil des Tages verbrachte ich im Bundesarchiv und ergänzte dort meine Mitglieder-Datenbank. Ein zweiter Termin dieser Art wird vermutlich noch in dieser Woche folgen.
Zu Hause erwartete mich dann eine Email von einer Mitarbeiterin des Landesarchivs, die mich auf vier Akten zur Gesellschaft der Freunde und ihrem Geselligen Verein hinwies. Ich kannte die Akten zwar schon, freute mich aber dennoch sehr. Es ist ein seltenes, dafür aber umso größeres Vergnügen, wenn ich - ohne vorherige Anfrage - Hinweise aus Archiven, Dienststellen und Bibliotheken bekomme. Es gibt ihn doch - den anderen öffentlichen Dienst :)

Posted by Sebastian @ 05:21 PM CET

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