Die Kassettenaffäre

Alexander Oppenheim, der Schwager einer Cousine Arnold Mendelssohns, war Rechtsbeistand der Gräfin Sophie von Hatzfeld, die in Auseinandersetzungen mit ihrem Ehemann verwickelt war. Oppenheim interessierte seinen Freund Ferdinand Lassalle für die Sache, der wiederum Arnold Mendelssohn veranlaßte, sich in diesem Fall zu engagieren. Oppenheim und Mendelssohn beobachteten im Sommer 1846 die Mätresse des Grafen Hatzfeld, die Baronin Meyendorf, und stiegen zusammen mit ihr im Aachener Gasthof Mainzer Hof ab. Bei der Abreise der Baronin entdeckte Oppenheim im Flur des Gasthofs eine Kassette, in der er für den Hatzfeld-Prozeß wichtige Papiere vermutete. Er nahm die Kassette an sich und brachte sie in das Zimmer Arnold Mendelssohns. Da der Diebstahl schnell entdeckt wurde, flohen die Freunde, wobei Mendelssohn die Kassette in seinem Koffer verstaute. Es stellte sich heraus, daß der Kassetteninhalt ganz unbedeutend war. Aber Oppenheim und Mendelssohn wurden jetzt steckbrieflich gesucht. Ersterer stellte sich bald der Polizei und wurde im November 1846 von der Anklage des Diebstahls freigesprochen. Daraufhin kehrte Mendelssohn Mitte 1847 aus Paris, wohin er geflohen war, zurück, wurde festgenommen und im Februar 1848 des Diebstahls und der Hehlerei für schuldig befunden, zu einer Zuchthausstrafe von fünf Jahren verurteilt, sowie der Befugnis des selbständigen Gewerbes eines Arztes für verlustig erklärt und nach ausgestandener Strafe lebenslänglich unter Polizeiaufsicht gestellt. Der Prozeß gegen Lassalle in gleicher Sache endete im August 1848 dagegen wie der Oppenheimsche mit einem Freispruch.