10/10/2002 Eintrag: "Umzug"

Nanu, was ist geschehen ? Gestern hatte dieses Forschungstagebuch nicht 3, nicht 7, nicht 10, sondern 13 Besucher ! Ich kann mich gar nicht erinnern, wann das zum letzten Mal passierte...
Heute gibt's Neues aus dem Grundbucharchiv. In Marienfelde wird am 4. November geschlossen, am Westhafen voraussichtlich am 25. November, unweit der Zeitungsabteilung der Staatsbibliothek, wiedereröffnet. Bei der Gelegenheit dieses Umzugs werden folgende Bestände an das Landesarchiv abgegeben: Brandenburger Torbezirk, Potsdamer Torbezirk, Kottbusser Torbezirk und Moabit. Hinzu kommen einige kleine, Westberliner Gebiet betreffende Bestände und - der Apothekerbezirk ! Wenn der verehrte Leser jetzt verblüfft ist, kann ich sagen: Ich war es auch. Hat irgend jemand jemals vom Apothekerbezirk gehört ?
Ich stieß ganz unvermutet auf dieses Phänomen. Eigentlich wollte ich nur die Akte zur Oranienburger Straße 37 bestellen, worauf mir die Mitarbeiterin des Archivs erklärte, dieses Grundstück gehöre zum Apothekerbezirk, und der werde an das Landesarchiv abgegeben. Es stellte sich heraus, daß auf dem Grundstück ein Apothekerprivileg lag, und offensichtlich wurden alle Häuser, auf die das zutraf, in einem eigenen Grundbuchbezirk geführt. Warum ausgerechnet die Apotheken ? Warum nicht die Buchdruckereien oder die Freihäuser ?
Daneben entdeckte ich, daß sich der Beersche Tempel, der 1819-23 erster Versuchsort eines reformierten jüdischen Gottesdienstes in Berlin und gleichzeitig Ausweichquartier für die zu rekonstruierende Hauptsynagoge in der Heidereutergasse war, höchstwahrscheinlich gar nicht im Beerschen Haus Spandauer Straße 72 befand, denn Jakob Herz Beer verkaufte dieses Haus 1819. Seine neue Adresse ist in der Grundbuchakte natürlich nicht vermerkt. Hat jemand eine Idee ? Ärgerlich, daß die Berliner Adreßbücher nicht mehr im Netz stehen !

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