13/10/2002 Eintrag: "Beerscher Tempel II"

Die Berliner Adreßbücher sind wieder online ! Markus Röhling schickte mir freundlicherweise den Link zu. Eigenartig ist nur, daß auf der übergeordneten Seite der ZLB verzeichnet steht, daß die Adreßbücher im Internet weiterhin nicht erreichbar seien. Sehr ominös. Vermutlich soll niemand diesen Service nutzen.
Wie dem auch sei, ich habe ihn jedenfalls gleich genutzt, um den Wohnort Jacob Herz Beers ab 1820 zu ermitteln. Das merkwürdige Resultat: Beer hatte laut Adreßbuch nur seine Zuckersiederei in der Heiligegeiststraße und seine Villa am Tiergarten. Beide kommen für den Beerschen Tempel als Ausweichsynagoge nicht in Frage. Also habe ich noch einmal Geigers Geschichte der Juden in Berlin durchforscht und darin die explizite Angabe (ohne Quellennachweis) gefunden, daß Beer 1815 (nicht 1819, wie ich dachte) seine Privatsynagoge in der Spandauer Straße 72 einrichtete. 1817 wurden alle Privatsynagogen verboten, woraufhin die Beersche von der Leitung der Jüdischen Gemeinde zum Ausweichquartier für die Hauptsynagoge bestimmt wurde. Mit der Wiedereinweihung der Synagoge in der Heidereutergasse 1823 wurde der Beersche Tempel dann endgültig geschlossen.
So weit Geiger. Wie verträgt sich das mit der Tatsache, daß Beer sein Haus Spandauer Straße 72 1819 verkaufte ? Nutzte die Gemeinde den Raum trotz des Besitzerwechsels weiter ? Wenn ja, so kann man ihn aber kaum noch den Beerschen Tempel nennen...

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