07/01/2004 Eintrag: "Vorstandswahl"

Heute abend konstituiert sich die neue Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde und wählt ihren Vorstand sowie ihr Präsidium. Interessanterweise meldete die Berliner Zeitung gestern schon einige Personalien, die eigentlich erst heute feststehen sollten. So werden vermutlich Julius H. Schoeps und Arkadi Schneiderman dem neuen Vorstand angehören. Sylva Franke wiederum ist für den Parlamentsvorsitz vorgesehen.
Der heutige Tagesspiegel konzentriert sich auf den designierten Vorsitzenden Meyer und portraitiert ihn als modernen, akkulturierten, selbstbewußten Juristen. Vermutlich wünscht sich der Durchschnittsdeutsche genau solch einen jüdischen Nachbarn? Für die Öffentlichkeitsarbeit der Gemeinde kann das nur Vorteile bringen. Letztlich muß sich aber auch Meyer daran messen lassen, ob er das Haushaltsdefizit tilgen und Wahl-Wunden in der Gemeinde heilen kann.
Die Berliner Morgenpost greift in ihrem Artikel auf einen Uralt-Terminus des 19. Jahrhunderts zurück: Sie spricht von der "israelitischen Gemeinschaft an der Spree". Wann wurde dieser Begriff zum letzten Mal verwendet ? 1915 ? Einige Zeilen tiefer ist gar von der "hebräischen Gemeinschaft" die Rede. Was will uns das Springerblatt damit sagen ? Soll ein Brückenschlag zu antiken Zeiten folgen ?
Auch dieser Artikel konzentriert sich ganz auf Meyer. Er übertrifft an Lobpreisungen noch den Tagesspiegel und gipfelt gar in den Satz: Albert Meyer ist der Mann der Stunde, nicht nur in der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Mit so viel Vorschußlorbeeren ist wohl seit langem kein Berliner Politiker mehr gestartet. Es wäre der Gemeinde zu wünschen, daß Meyer zumindest einen Teil der in ihn gesetzten Hoffnungen erfüllen kann.

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