Archiv für October 2004

Thursday, October 14, 2004

Oliver Sander, der bereits die Seiten zum Historismus als Baustil und zum Architekten Ernst von Ihne betreut, bereitet gemeinsam mit Werner Heegewaldt die Herausgabe der Lebenserinnerungen des preußischen Bauinspektors Salomo Sachs (1772-1855) vor und hat zu dieser Persönlichkeit eine weitere Internetseite ins Netz gestellt. Sachs entwarf der Gesellschaft der Freunde das 1798 geplante Leichenhaus, das aus Finanzmangel allerdings nicht gebaut wurde.

Während der nächsten drei Tage werde ich in Hochkirch sein, dann wieder in Berlin.

Posted by Sebastian @ 10:20 PM CET

Monday, October 11, 2004

Aus der Reihe „Rezensionen, die ziemlich spät kommen“, gibt es diesmal eine Besprechung des Buches:

David Ellenson: Rabbi Esriel Hildesheimer and the Creation of a Modern Jewish Orthodoxy; Tuscaloosa/London: University of Alabama Press 1990. XV+211 S.

Es ist dies die erste moderne Biographie des geistigen Führers der Berliner Austrittsgemeinde „Adass Jisroel“ (siehe Artikel im BBKL). Der Autor erklärt gleich im Vorwort, daß er die Biographie Hildesheimers sehr subjektiv unter der Fragestellung „Wie lebt man in zwei verschiedenen Welten ?“ untersuche, weil er, Ellenson, sich selbst mit dieser Frage sein ganzes Leben lang auseinandergesetzt habe. Dadurch hat er einen Gutteil möglicher Kritik bereits vorweggenommen. Wenn in der Folge von „Hildesheimers Genius“ die Rede ist (S. 114), wenn Hildesheimersche Wertungen unhinterfragt übernommen werden, wenn politische Erfolge gegen den Antisemitismus ausschließlich der Orthodoxie zugeschrieben werden, ohne daß die Rolle des liberalen Judentums untersucht worden wäre (S. 108), so weiß man, wo die Ursache für die fehlende kritische Distanz zu suchen ist.

Seine Ausarbeitung stützt Ellenson hauptsächlich auf Hildesheimers Publikationen und edierte Briefe sowie auf die jüdischen Rechtsgutachten und Streitschriften (Responsen) aus Hildesheimers Zeit. Akten, handschriftliche Briefe oder andere unedierte Quellen läßt er vollkommen unberücksichtigt. Dadurch wird deutlich, daß es sich hier nicht um eine historische Arbeit handeln kann. Der Klappentext spricht von einem „soziologischen“ Ansatz, man muß wohl aber eher von einer geistesgeschichtlichen Untersuchung sprechen.

Zwei Ziele verfolgt Ellenson in seinem Buch: Er will erstens die Vielfältigkeit der orthodoxen Richtungen in Deutschland während des 19. Jahrhunderts dokumentieren und dadurch belegen, daß es sich bei der Orthodoxie nicht um einen monolithischen Block gehandelt hat. Und er will zweitens darstellen, wie in Hildesheimers Biographie Elemente der Tradition und der Moderne verschmelzen und sich gleichzeitig aneinander reiben. Vor allem ersteres gelingt Ellenson gut. Sehr plastisch kann er die Konfliktlinien zwischen den großen Persönlichkeiten der deutsche Neoorthodoxie – Frankel, Bamberger, Hirsch und Hildesheimer – herausarbeiten.

Auch Ellensons Erkenntnisse zum Punkt zwei – Verhältnis von Tradition und Moderne im Leben und Wirken Hildesheimer – sind wichtig und erhellend. So folgt der Leser neugierig der Wendung vom orthodoxen Alleinvertretungsanspruch zur Orthodoxie als Separatistenbewegung, die Hildesheimer vollzieht. Allerdings stören hier nicht nur unnötige Wiederholungen der Hauptthesen. Es fehlt vielmehr eine Einordnung des Umstandes, daß Hildesheimer seine eigenen Abweichungen von der Tradition als notwendig und unumgänglich verteidigt, während er Neuerungen durch andere orthodoxe oder gar weniger orthodoxe Rabbiner als ketzerische, gesetzesbrecherische und vollkommen unentschuldbare Verirrungen brandmarkt.

Für den Berlin-Historiker enthält das Buch leider kaum interessante Neuigkeiten. Adass Jisroel, der Verein, der Hildesheimer in Deutschland überhaupt erfolgreich gemacht hat, erhält in diesem Buch kaum mehr als eine Statistenrolle. Auf jegliche soziale und regionalhistorische Einbettung wird verzichtet. Daß ein wichtiger Teil der Personen, die Adass gegründet und Hildesheimer nach Berlin berufen hatten, später von seiner Aggressivität und seinem Radikalismus abgestoßen wurden und zur Hauptgemeinde zurückkehrten, wird weder erwähnt, noch erklärt. Der Religionsdiskurs und die Entwicklung Hildesheimers werden für seine Berliner Zeit so dargestellt, als hätten sie fast ausschließlich in einem idealen Raum der Gedanken, Überzeugungen und Glaubensmanifeste stattgefunden.

Die Hildesheimer-Biographie Ellensons eignet sich gut, um die Gedankenwelt Hildesheimers und die verschiedenen Schattierungen der deutschen Neoorthodoxie in der Mitte des 19. Jahrhunderts kennenzulernen. Alle weitergehenden Fragen und Probleme bleiben einer umfassenderen Untersuchung vorbehalten.

Posted by Sebastian @ 11:43 AM CET

Sunday, October 10, 2004

Auf der Arisierungstagung des Netzwerks Unternehmensgeschichte lagen Informationen über den Förderverein für ein Wirtschaftsarchiv Berlin-Brandenburg aus. Es handelt sich um ein Faltblatt, aus dem allerdings nicht so deutlich hervorgeht, ob der Verein schon begründet wurde und wie weit die Planungen für das Archiv gediehen sind. Eine Homepage gibt es noch nicht. Als Ansprechpartner wird auf Dr. Dettmer, den Leiter des Landesarchivs, verwiesen.
Einerseits wird motivierend geschrieben "es lohnt sicht, da es leichter verwirklicht wird als ein Stadtschloß" - klingt nach frühem Vorbereitungsstadium. Andererseits führt das Faltblatt schon aus, welche Unterstützungsleistungen 'wir Ihnen bieten' - Sicherung von herrenlosem Wirtschaftsschriftgut, fachgerechte Aufbewahrung der Unterlagen, Unterstützung bei der Erstellung von Firmenchroniken und Festschriften, multimediale Aufbereitung... Wird hier noch geplant, oder ist alles schon fertig, und ein gut ausgestatteter Apparat wartet nur auf die ersten Aufträge und Akteneingänge ? Ein wenig mehr Klarheit wäre wünschenswert. Dann würden sich sicherlich weitere Unterstützungswillige finden.

Posted by Sebastian @ 08:36 AM CET

Im Verlag für digitale Publikationen Winfried Bogon, der bisher erstaunlicherweise noch keine eigene Homepage besitzt, sind zwei Jahrgänge des Handbuchs der deutschen Aktiengesellschaften erschienen. Jahrgang 37 (1932) hat im Original 4 Bände, Jahrgang 48 (1943) 6 Bände. Beide kosten jeweils - sowohl auf CD als auch auf DVD - 99 Euro. Wenn jemand also ein Geschenk für mich sucht...

Posted by Sebastian @ 08:19 AM CET

Monday, October 4, 2004

Ja, der 1. Oktober ist vergangen, und ich habe meine Dissertation noch nicht abgegeben. Es fehlen noch der Schlußteil und die Einarbeitung einiger Hinweise von Kollegen. Ansonsten ist fast alles fertig. Eine neue Zeitprognose abzugeben, fällt mir schwer, weil die Vorbereitung der Mendelssohn-Ausstellung (Eröffnung 14.11.) und - ganz aktuell - des Vortrags für die Arisierungstagung des Netzwerks Unternehmensgeschichte einen spürbaren Anteil an Zeit absorbieren. Ziel ist jetzt, die Arbeit so früh wie möglich, auf jeden Fall aber noch im Oktober einzureichen.

Posted by Sebastian @ 03:10 PM CET

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